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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Schulhof — Evangelisches Profil

Evangelische Schulen stellen sich vor: Evangelische Grundschule Radebeul

04.03.2015 Priska Krüger

Im Zeichen des Regenbogens – 10 Jahre Evangelische Grundschule Radebeul

Es ging schon eher los: Die erste PISA-Studie war ausgewertet – mit alarmierenden Zahlen! Im April gab es am Erfurter Gymnasium den ersten Amoklauf eines Schülers in Deutschland mit vielen Toten! Das war 2002. Wie geht es mit unseren Kindern weiter – wie geht es in der Gesellschaft weiter? Fragen, die sich nicht nur Väter und Mütter von schulpflichtigen Kindern zu dieser Zeit stellten. Gedanken über die Zukunft machten sich auch Eltern aus den Reihen des Ev. Kinderhauses Kötzschenbroda. Welches Bildungsangebot gibt es in Radebeul? Welche Werte wollen wir unseren Kindern vermitteln? Ist eine alternative, reformpädagogische Schulform sinnvoll?
Diese Diskussionen wurden zum Anlass genommen, einen christlichen Schulverein in Radebeul zu gründen. So wie zur Gründung des Vereins 2002 das (Elb-)Wasser im Rücken des Lutherhauses stand und uns vor vielfältige Aufgaben stellte, so galt es auch die Probleme einer Schulgründung zu meistern: Sorge um genügend Kinder und Lehrer, Verschiebung des Schulstartes aus Finanzknappheit, ungeeignete Gebäude …

Doch mit dem Start 2004 wurde dann ein Traum wahr: Es gab die erste christliche und zugleich freie Schule in Radebeul. Wie wird diese angenommen? Geht unser Konzept auf? Fragen, die sich in zehn Jahren ein Stück beantwortet haben.

 

Eine Mitarbeiterin erinnert sich: »Will ich das wirklich?«

Diese Frage hatte ich mir nun schon wiederholt gestellt, bei allen Praktika des Lehramtsstudiums an den verschiedensten Schulen. 14 Tische stehen frontal zur Tafel, die Augen und Ohren der Kinder (scheinbar) auf mich gerichtet. Nach 45 Minuten das Klingeln, einige Kinder haben sich schon die letzten 10 Minuten gelangweilt, die anderen haben die ersten Worte in ihrem Heft stehen, der Rest war nicht zu schaffen. Aber jetzt ist das nächste Fach an der Reihe. Zwischendurch sehe ich mir im Lehrerzimmer gequälte Gesichter an, die Berichte will ich gar nicht hören. Ich bekomme zwar Lob für einige Stunden, aber auch Kritik für »kolossale Unruhe«, als ich zulasse, dass mir mehrere Kinder gleichzeitig die Lösung zurufen. Kreativität, Selbstständigkeit, Individualität gleich null. Ich zweifle an meiner Berufswahl, und das so kurz vor Abschluss des Studiums.
Da empfiehlt mir eine Freundin, doch mal an der Evangelischen Grundschule Radebeul zu hospitieren. Da liefe es ganz anders, die Kinder könnten selbstständig arbeiten, es gäbe Freiarbeit und jahrgangsgemischte Gruppen. Sie hätte dort auch das Montessori-Diplom gemacht und könne es sehr empfehlen.

 

Sachunterricht

Ich habe von der Schule schon gehört. Tatsächlich hätte ich sogar von der Uni aus mein Blockpraktikum B dort absolvieren können. Aber eine Dozentin meinte, das wäre nicht für alle etwas. Manche kämen mit dem Unterrichtsstil gut zurecht, andere würden weinend weglaufen, weil dort jeder was anderes macht. Das vierwöchige Praktikum war mir also zu riskant. Nach der enttäuschenden letzten Erfahrung bin ich jedoch offen für alles. Auf meine Bitte um Hospitationsmöglichkeit antwortet Frau Christmann: »Mein gesamtes Team freut sich schon, Sie kennen zu lernen.«

 

Nach einer Woche Praktikum ist für mich klar: Ich bleibe noch eine Woche. Hier läuft wirklich alles anders. Kinder und Pädagogen kommen gern hierher! Und im Lehrerzimmer wird sogar herzhaft gelacht! Jeden Tag können die Kinder selbstständig Materialien bearbeiten, die ihnen gefallen! Kinder der Klasse 1 bis 4 lernen in einem Raum und es funktioniert!
Nach dem 1. Staatsexamen dann die große Enttäuschung: kein Referendariatsplatz! Zeit zum Nachdenken und Weiterbilden. Ich entscheide mich für den Montessori-Diplomkurs und bereue es keine Sekunde. Na gut, beim ersten Seminar ist die Ruhe und Langsamkeit, mit der Materialien eingeführt werden, verwirrend und gewöhnungsbedürftig. Aber der Kurs hält einige Überraschungen bereit. Abends kann ich sogar manchmal nicht einschlafen. Zu viele Ansichten müssen überdacht und revidiert werden. Kann man einem Kind wirklich etwas Neues zeigen, ohne dabei zu reden? Muss man die Fehler nicht gleich berichtigen? Soll ich das Kind nicht immer loben, wenn es das so fein hinbekommen hat?

 

Musikunterricht

Nach einem Jahr Wartezeit dann die frohe Botschaft: ein Referendariatsplatz an der Evangelischen Grundschule Radebeul! Was allerdings kommt, ist nicht selten eine Zerreißprobe. Persönliche Erfüllung und die Vorstellungen staatlicher Ausbilder passen eben nicht immer zusammen. Doch viel Verständnis, Unterstützung und Humor aller Mitarbeiter der Schule bringen mich durch die zwei Jahre.
Was wäre ich ohne die Hilfe, die Ermutigung, den Humor und die Anteilnahme von Schulleitung, Lehrern, Erziehern, Büro, Hausmeister, Küche und natürlich den Kindern gewesen? Viel Zeit habe ich in der Schule verbracht, viel Zeit am Schreibtisch. Nette Kollegen haben mich sanft aus der Tür geschoben, damit ich mal nach Hause gehe, und morgens wieder freudig begrüßt. Vor jeder Hospitation kamen ermutigende Worte per E-Mail, viele Daumen wurden gedrückt und danach fragte immer jemand, ob auch alles gut gelaufen sei.
Sämtliche Stundenpläne wurden an den Tagen über den Haufen geworfen, an denen ich eine Stunde vorführen musste. Zu jeder Hospitation fanden sich Lehrer und/oder Schulleitung im Lehrerzimmer ein, um mir mit einem Gespräch mit den Hospitanten letzte Vorbereitungen zu ermöglichen. Und schließlich hat sich eine ganze Schule darauf vorbereitet, dass ich Prüfung habe. Eine ganze Liste hatte ich vorbereitet, die beachtet werden musste, damit meine Stunde »ganz alltagsmäßig« ablaufen konnte.

 

Tja, und nun bin ich Lehrerin. Und sogar Klassenlehrerin. Von einer jahrgangsgemischten Klasse. Jeden Tag bin ich Berater und Lernbegleiter bei der Freiarbeit. Zu jeder Stunde begrüße ich die Kinder im Sitzkreis. Zu jedem Kollegen kann ich gehen und um Rat bitten. Ohne Probleme kann ich erzählen, dass ich etwas vergessen habe oder mir etwas nicht gelungen ist.
Danke dafür und für alle Erfahrungen, die ich hier nicht beschrieben habe, aber mit euch erleben durfte!

Ein Beitrag der Ev. Grundschule Radebeul (Bianka Hübner – Klassenleitung Winterklasse)

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Tags

Evangelische Grundschule Radebeul, Evangelisches Profil, freie Schulen