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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Lehrerzimmer — Bericht

Gemeinsam auf dem Weg in die Inklusion

07.01.2019 Wiebke Nenoff

Supervision und Coaching des Schulkollegiums an Lebenswelt Schule Zwenkau

 

 

Ausgangsituation Schuljahresbeginn 2017/2018

Im Schulkollegium arbeiteten wir im Schuljahr 2017/2018 zu neunt. Als eine von wenigen Schulen hatten wir das Glück, personell super aufgestellt zu sein, sodass Klassenlehrer, Förderlehrer und Inklusionsassistenten immer gemeinsam in den altersgemischten Klassen arbeiten, die tägliche Freiarbeit und den Fachunterricht im Team gestalten konnten. Das war ein lang gehegter Wunsch aller Pädagogen, den wir auch in den letzten Schuljahren schon zum Teil in die Tat umsetzten, ohne darauf vorbereitet zu sein und alles bedacht zu haben.

 

Wie sich bald herausstellte, schienen schon lange bestehende Probleme und ungeklärte Fragen das gemeinsame Arbeiten und Unterrichten in den Klassenteams zu erschweren:

Welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten hat jeder im Klassenteam, welche Befugnisse und welche Professionen? Wie werden wir allen Kindern gerecht? Wie gehen wir mit den unterschiedlichen Kindern und deren Förderschwerpunkten um? Wie, wie lange und wann besprechen wir all die Fragen und Probleme konstruktiv? – waren unsere Dauerbrennpunkte, die es zu bewältigen galt.

Zu viele offene Fragen, Hilflosigkeit und Überforderung bestimmten die Stimmung im Herbst im Schulkollegium.

 

 

Supervision im November 2017

Daher organisierten Leitungsteam und Vorstand wir im November zu unseren pädagogischen Tagen eine Moderation durch den systemischen Supervisor Christian Mundt, um die Konflikte zu klären, uns als Team wieder anzunähern und zu konstruktiver Zusammenarbeit zurückzufinden. Schnell wurde deutlich, dass die verschiedenen Berufsgruppen Klarheit über ihre Rollen, Aufgaben und Befugnisse benötigten. Vor allem die neu ins Leben gerufene Tätigkeit der Inklusionsassistentinnen musste transparent und klar beschrieben werden. Nicht zuletzt galt es, die Zusammenarbeit der Pädagogenteams in einer Klasse und die Gestaltung der täglichen Freiarbeit mit allen Kindern und den Kindern mit besonderen Bedürfnissen explizit in den Blick zu nehmen.

 

Das gelang uns durch die Moderation vortrefflich, sodass wir im Anschluss erste Schritte gemeinsam gehen, wieder inhaltlich und zielgerichtet arbeiten konnten. So tauschten wir uns über grundlegende Fragen zum Thema Integration und Inklusion sowie unsere Sorgen und Grenzen aus, formulierte ein klares JA zu Integration an unserer Schule sowie erste Grundgedanken eines Integrations- / Inklusionskonzeptes. Weiterhin erarbeiteten wir einen Handlungsplan zur Verbesserung unserer Strukturen, Kommunikation und pädagogischen Kompetenz.

Nun konnte die Arbeit los- oder besser gesagt weitergehen.

 

 

Klassenteamberatungen im Frühjahr

Eine der getroffenen Festlegungen war, für die Klassenteams unserer drei altersgemischten Klassen feste Gesprächszeiten zu vereinbaren und regelmäßige externe Beratungstermine anzubieten. So nutzten im Frühjahr alle Klassenteams die Angebote von Christian Mundt, zur Supervison oder Fallbesprechung für die in der Klasse akuten Themen. Es ging weiterhin um Kommunikation und Konfliktlösungen, Erwartungen an die einzelnen Teammitglieder, klare Aufgabenbeschreibungen im Klassenteam sowie um alle komplexen Fragen und Probleme der Unterrichtsgestaltung.

 

 

Das Schulkollegium schaut auf das Schuljahr 2017/2018 zurück

Zum Ende des Schuljahres trafen wir uns als gesamtes Schulkollegium nochmals mit Christian Mundt, um Rückschau auf das letzte Schuljahr zu halten sowie Ergebnisse festzuhalten und Aufgaben zu fokussieren, die auf dem Weg in die Inklusion vor allem den Unterricht betreffend anstehen.

Sehr differenziert betrachteten die einzelnen Mitarbeiter ihre eigenen Erfahrungen und ihren persönlichen Weg in Richtung Inklusion, aber auch unseren bisherigen gemeinsamen schulischen Weg. Mit gutem Gefühl konnten wir sehen, was wir im letzten Schuljahr alles geschafft haben, sodass wir zuversichtlich und gemeinsam die nächsten Schritte gehen können.

 

 

Ergebnisse und Ausblick

Die Supervisionen der Klassenteams und des gesamten Schulkollegiums führten im geschützten Rahmen zum offeneren Austausch über die anstehenden Probleme und Fragen zur Inklusion, deren Umsetzung und Grenzen und konnten unsere zielführende Zusammenarbeit über das gesamte Schuljahr hin stärken.

 

Supervisionsangebote werden in Zukunft ein fester und regelmäßiger Bestandteil unserer weiteren Teamarbeit in allen Schulgremien sein, um das Teamklima und unsere Kommunikation zu verbessern.

 

Im Schulkollegium trafen wir außerdem Verabredungen zur weiteren Verbesserung unserer pädagogischen Arbeit vor allem für die Gestaltung der Freiarbeit. Unter anderem möchten wir die Freiarbeit ausdehnen, um Zeitdruck beim Lernen zu verringern, die richtigen Materialien für jede Entwicklungsstufe bereitstellen, der kosmischen Erziehung mehr Raum geben und uns wieder mehr an den Montessori-Grundsätzen orientieren.

Auf die Bedürfnisse der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf schauen wir in Zukunft besonders achtsam. Wir setzen uns mit dem Spannungsfeld zwischen Lehrplanzielen, individuellen Lernzielen, Montessori-Zielen und unseren eigenen Leistungserwartungen intensiv auseinander. Hierfür sollen neue Jahrespläne entwickelt und entsprechende Materialien angeschafft und hergestellt werden.

Weiterhin trafen wir Festlegungen zu Weiterbildungen hinsichtlich Inklusion und der einzelnen Förderschwerpunkte, um unsere fachliche Kompetenz weiterzuentwickeln. Um wirklich allen Kindern und deren Bedürfnissen gerecht zu werden, ist dies dringend erforderlich.

 

Im Rückblick auf dieses Schuljahr, das anfangs problembeladen und äußerst arbeitsreich war, sind wir dankbar, dass wir bei all den Schwierigkeiten die Chance zur Veränderung und Weiterentwicklung genutzt haben.

Mit großer Freude, Zuversicht und Neugier sehe ich den nächsten Jahren entgegen, die sicher viel Kraft kosten, uns unsere Grenzen zeigen, uns spannenden Austausch bringen und neue Horizonte aufzeigen werden.

 

Anja Wilzki, Schulleiterin

 

Das Projekt wurde durch die Schulstiftung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens gefördert.

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