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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Schulhof — Demoktratie

HA(L)B ACHT

26.06.2018 Wiebke Nenoff

 

AG Demokratie am Evangelischen Schulzentrum Leipzig lädt Eltern, Lehrer und Schüler zum Dialog ein

Das Eva Schulze ist eine „Mitmachschule“, die vom Engagement aller Beteiligten – ob Lehrer, Schüler oder auch Eltern – lebt. In dieser Tradition haben Eltern des Eva SchulZe eine AG Demokratie gegründet und eine stets um 19:30 Uhr beginnende Diskussionsreihe „HA(L)B ACHT“ initiiert. Wir sehen Demokratie durch Unwissen, Desinteresse und populistische Strömungen gefährdet, daher das Wortspiel „HA(L)B ACHT“. Im Schuljahr 2017/18 gab es 5 Veranstaltungen.

 

Lasst unsere Kinder wählen! Frühere Familienministerin Renate Schmidt fordert in der Schille „Wahlrecht ab Geburt“ in Leipzig

 

73 Prozent der jungen britischen Wähler stimmten gegen den Brexit – und wurden von den Älteren locker überstimmt. Die Konsequenzen der Entscheidungen werden dennoch die Jungen „ausbaden“. Entscheiden auch in Deutschland die über 65-Jährigen über Deutschlands Zukunft? Werden unsere Kinder durch die Wahlen von der Zukunft „abgehängt“? Wessen Meinung „zählt“ bei Themen wie Klimawandel und Umweltschutz, Rente für künftige Generationen, bezahlbare Gesundheitssysteme? Mit solchen und vielen ähnlichen Fragen beschäftigten sich im Rahmen der „Ha(l)b-Acht-Reihe“ am 14.9. im gut gefüllten „Theaterhaus Schille“ die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt, Moderator Sven Heitkamp und Leipziger Eltern, Lehrer und Schüler. Sehr lebhaft diskutierten sie die Frage, ob und wie das „Wahlrecht ab Geburt“ umgesetzt werden sollte.

 

„Politik muss Dinge wieder beim Namen nennen“ – 150 Gäste kamen zu Diskussion mit Burkhard Jung über Extremismus in Leipzig

 

„Es gibt überhaupt keine Rechtfertigung für Gewalt, weder von Rechts noch von Links“ – soweit waren sich die Teilnehmer der Ha(l)b-Acht-Diskussionsveranstaltung rund um Oberbürgermeister Burkhard Jung und den Journalisten Robert Dobschütz einig. Doch woher Wut und Gewalt kommen und wie man sie bekämpfen kann, darüber gingen die Meinungen am 22.11. in der Peterskirche auseinander. Über 150 Gäste waren zur öffentlichen Diskussion über das „rosarote Leipzig“ gekommen, darunter viele Eltern des Evangelischen Schulzentrums, Lehrerinnen Leipziger Schulen und zahlreiche Schüler/innen – und führten eine spannende Diskussion, in der die Gefühle auch schon mal überkochten. Burkhard Jung zeigte Verständnis, Missstände gäbe es und die müssten gemeinsam gelöst werden. Er beklagte jedoch insgesamt ein Verschwinden des Anstands in der Sprache, eine Verrohung dessen, was man gemeinhin noch als anständig empfände. So manche Beleidigung, die vor zehn Jahren noch Strafen nach sich gezogen hätte, sei heute nicht mehr strafbar. So könne man einen Oberbürgermeister ungestraft als alte Sau bezeichnen.  Burkhard Jung räumte auch Fehler in der Politik ein: „Wir haben eine Sprache entwickelt, die nicht mehr klar ist, wir müssen wieder klarer und einfacher die Dinge beim Namen nennen.“

 

Humorvoller Abend: Eva Ullman verriet, wie Lachen das Lernen fördern kann

 

Ist im Schulalltag Platz für Humor? Lachen wir genug beim Lernen? Dazu referierte am 8.2. in der Peterskirche Eva Ullmann vom Deutschen Institut für Humor mit vielen Beispielen und Pointen und hatte immer wieder die herzhaften Lacher auf ihrer Seite. Dabei stellte sie klar, dass es verschiedene Sorten von Humor gäbe und „abwertender“ Humor an der Schule keinen Platz haben sollte. So könne man zu jemandem, der ein Glas Wasser umgeschüttet hat, durchaus sagen: „Toll wie du loslassen kannst“. Denn dies ist sowohl lustig, als auch aufwertend. Demgegenüber wäre der Spruch „Du kannst das Wasser wohl auch nicht mehr halten“ abwertend und die Lacher gingen auf Kosten des „Unglücksraben“.

 

Beachte man diese Grundregel, dann kann Humor an einer Schule einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Denn Lachen, so Eva Ullmann, sei nicht nur gesund, sondern auch motivierend und ein wahrer Lernbeschleuniger – es fördere die Leistung von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern. Die richtige Dosis Humor verbessere sogar die Arbeitsabläufe und auch die Kommunikation der Lehrer – ob mit den Schülern oder den Eltern.

 

Streitbar, kontrovers und fair: Schüler*innen der 9. Klassen diskutieren überzeugend über Meinungsfreiheit und Extremismus

 

Gibt es in Sachsen mehr Extremismus, als woanders? Wann darf ich mich auf die Meinungsfreiheit berufen – wann nicht? Und was ist überhaupt Extremismus? Mit diesen Fragen befassten sich am 12. April Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse auf öffentlicher Bühne. Im Stil einer Talkshow diskutierten sie rechts- und linksextreme Positionen untereinander und mit den Gästen, die sich aus Eltern, Lehrer/innen und Schüler/innen zusammensetzen.

 

Die Schüler/innen hatten im Gemeinschaftskundeunterricht mit ihrem Lehrer Hendrik Vogler Spannendes zum Verhältnis von Meinungsfreiheit und Extremismus recherchiert. Unter der Moderation von Hendrik Vogler stellten die Neuntklässler*innen durchaus auch streitbare Thesen zum Thema Meinungsfreiheit und Extremismus vor. Dabei beeindruckten sie nicht nur mit ihren inhaltlichen Beiträgen, sondern auch mit dem fairen Umgang, mit dem sie auch kontroverse Diskussionen führten.

 

Die Gäste konnten sich auf diesem Wege vom hohen Niveau des Gemeinschaftskunde-Unterrichts überzeugen und auch eigene Fragen stellen; sowie viele Denkanstöße mitnehmen. Zusätzlich präsentierten die Schüler/innen auf zahlreichen Plakaten Zahlen und Fakten zum Thema Extremismus und freiheitliche demokratische Grundordnung. Im Anschluss diskutierten noch zahleiche Gäste mit den Schüler*innen und miteinander weiter.

 

Die fünfköpfige Schulband „Die drei lustigen vier“ begleitete den Abend musikalisch auf hohem Niveau und erntete viel Applaus.

 

„Das sind Deine Rechte – KinderrechteWas haben Kinder von der Kinderrechtskonvention und wie können sich Kinder selbst für ihre Rechte einsetzen?

 

Warum beschäftigt sich die AG Demokratie mit Kinderrechten? Wir glauben, dass Demokratie als Regelsystem besser funktioniert, wenn

  • generell die Schutzfunktionen für „Kleinere“ und „Schwächere“ eingehalten werden,
  • Kinder keine massiven und tiefergehenden Kränkungen und Verletzungen erfahren haben,
  • Kinder frühzeitig und natürlich altersgemäß demokratische Entscheidungsprozesse einüben können.

 

Für diese Veranstaltung, die sich bewusst an jüngere Schülerinnen und Schüler gerichtet hat, konnten wir als Referentin Frau Susann Pruchnik, Dipl. Sozialpädagogin/ -arbeiterin; Master of Counselling (MA), vom Leipziger Kinder- und Jugendbüro gewinnen. Das Thema wurde in 3 Workshops mit Kindern der Grundschule vorbereitet. Was sind das überhaupt Kinderrechte? Werden diese Rechte unserer Kinder auch beachtet? Wo liegt was im Argen?

 

Das wichtigste Dokument zu Kinderrechten ist die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, welche auch in Deutschland gilt. Die Kinderrechtskonvention wurde am 20. November 1989 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Bis auf einen einzigen Staat — die USA — haben alle Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention ratifiziert. Die Leitfrage lautet daher:

 

„Was haben Kinder von der Kinderrechtskonvention und wie können sich Kinder selbst für ihre Rechte einsetzen?“

 

Es gab den Kinderrechte-Quiz. Gesucht waren Antworten auf interessante Fragen z.B. seit wann gibt es die Konvention und welches Land macht nicht mit. Die 10 wichtigsten Kinderrechte wurden vorgestellt. Hauptteil war die Diskussion mittels Fishbowl-Methode. 2 Schüler, 1 Lehrer- und 1 Elternvertreter gingen den Fragen nach „Wer macht Schule?“ und „Können die Kinder sich im Schulalltag einbringen?“

Einig waren sich alle Beteiligten: Mitwirkungsmöglichkeiten sind vorhanden, aber sie müssen auch genutzt werden. Einiges verläuft im Sande und manchmal sind auch dicke Bretter zu bohren.

 

Annette Baumeister, AG Demokratie

 

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Tags

Aktion, Demokratie, Evangelisches Schulzentrum Leipzig