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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Bildungspolitik — Interview

Schulsozialarbeit

11.01.2016 Wiebke Nenoff

 

Am 26.02.2016 laden Grit Grünewald, die Bildungsreferentin der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit Sachsen, und die Schulstiftung zu einem Vernetzungstreffen für Schulsozialarbeiter an unseren evangelischen Schulen ein. Über die Lage der Schulsozialarbeit und Sachsen und die Aktivitäten der Landesarbeitsgemeinschaft berichtet Frau Grünewald im Interview.

 

Grit Grünewald

Was sind aus Ihrer Sicht die Aufgaben von Schulsozialarbeit?

Grünewald: Schulsozialarbeit ist notwendig, um Schülerinnen und Schülern bei der allgemeinen Lebensbewältigung insbesondere vor den Hintergrund der Anforderungen im schulischen Kontext zu unterstützen. Sie fördert den Erwerb von Sozial- und Selbstkompetenzen, Konfliktfähigkeit, Toleranzfähigkeit und Demokratieverständnis sowie die Eigenkompetenz zur Lösung von Problemen und Belastungen.

 

Warum, glauben Sie, gehört Sozialarbeit an die Schule?

Schulsozialarbeit ist an allen Schulen sinnvoll und erforderlich. Sie unterstützt die soziale Integration, gibt damit jungen Menschen die Möglichkeit, gleich welcher sozialen Herkunft, Familiengeschichte, Migrationserfahrung, religiöse Zugehörigkeit, körperliche und psychische Beeinträchtigung, Geschlecht oder sexuelle Identität der junge Mensch zugehörig ist, sich an Bildung beteiligen und schulischen Anforderungen gerecht werden zu können. Damit erhöhen sich ihre Chancen auf einen Bildungsabschlusses, sowie den erfolgreichen Übergang in Ausbildung.

Schulsozialarbeit agiert als Mittler zwischen Eltern, Schule und jungem Mensch und unterstützt auch Eltern und Lehrer innerhalb des sozialpädagogischen Auftrages.

 

Was kann Schulsozialarbeit in Bezug auf die Integration von Flüchtlingen leisten?

Schulsozialarbeit ist grundsätzlich für alle Schüler da, so auch für Kinder und Jugendliche mit Flüchtlings- und Migrationshintergrund. Hier kann Schulsozialarbeit Schule besonders unterstützen, interkulturelle Kompetenz zu erwerben und gemeinsam eine Willkommens- und Anerkennungskultur zu schaffen.

 

Welche Ziele verfolgt die Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit Sachsen?

Die Landesarbeitsgemeinschaft gibt es in dieser Form seit 2002. Seit dem setzt sie sich dafür ein, das Arbeitsfeld von Schulsozialarbeit auszubauen und zu unterstützen. Dies geschieht in Form von Fortbildung und Beratung von Fachkräften über Vernetzung und Fachaustausch bis zur politischen Wirksamkeit und Interessensvertretung gegenüber Medien, Ministerien, Behörden, Ämtern und anderen Akteuren.

 

Durch welche Angebote unterstützt die Landesarbeitsgemeinschaft freie Schulen?

Die Landesarbeitsgemeinschaft unterscheidet nicht nach Schulart, Konfession oder Trägerschaft. Ihre Fortbildungsangebote sind offen für alle Sozialarbeiter aus dem schulischen Kontext. Idealerweise ist der Schulsozialarbeiter nicht beim Schulträger angestellt, sondern wird zumeist von einem Träger der freien Jugendhilfe an Schule implementiert. Darüber hinaus bietet die Landesarbeitsgemeinschaft auch für Schulen und Lehrer Beratungen zu speziellen Themen wie Mobbing, Konfliktmanagement usw.  an und  kann Referenten zu verschiedenen Schwerpunkten wie Verhaltensauffälligkeiten,  Elternarbeit und dergleichen vermitteln.

 

Welche Rolle haben Sie in der Landesarbeitsgemeinschaft?

Ich bin seit fünf Jahren Bildungsreferentin in der Landesarbeitsgemeinschaft. Neben zahlreichen ehrenamtlichen Unterstützern bin ich bislang die einzige Person in Festanstellung. Es gibt aber Pläne zum Ausbau durch eine zweite Stelle. Meine Aufgaben sind im Wesentlichen, die Vernetzung der Akteure im Arbeitsfeld, die Organisation von Fortbildungen, Beratungen sowie die fachliche Expertise des Arbeitsfeldes  in Gremien, Öffentlichkeit, Politik und Verwaltung einzubringen.

 

Wie beurteilen Sie die Lage der Schulsozialarbeit in Sachsen?

An nur 11 Prozent aller Schulen in Sachsen ist überhaupt ein Schulsozialarbeiter beschäftig und nicht selten unter schlechten Rahmenbedingungen wie weniger als 75% VzÄ-Stellen, ohne eigene Räumlichkeiten an Schule oder geringe Bezahlung unter Tarif. Es herrscht ein ungleichmäßiger Flickenteppich aus einer Vielzahl von Fördergeldern aus Land und Kommunen in Sachsen. Diese Situation ist sehr unbefriedigend. Der Ausbau und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen müssen dringend vorangetrieben werden.

 

Welche Visionen haben Sie für die Schulsozialarbeit in Sachsen?

Schulsozialarbeit sollte es an allen Schulen geben. Basis für die Wirksamkeit von Schulsozialarbeit ist eine gelingende Kooperation von Schule und Sozialarbeit. Die Schulsozialarbeit sollte idealerweise überall, wo sie gebraucht wird, auch da sein, ein Kind bei seinem Bildungsweg unterstützen und kollegial auch mit dem Lehrerkollegium und anderen Angeboten wie beispielsweise den Berufseinstiegsbegleitern zusammen arbeiten.

Um die unbefriedigende Finanzierungssituation zu verbessern ist für uns in Sachsen unbedingt ein Landesprogramm notwendig. Meine Vision ist es, durch ein solches Programm langfristig gefördert, an jeder Schule Schulsozialarbeit möglich zu machen.

 

Dresden, 08.12.2015
Das Interview führte Wiebke Nenoff.

 

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Tags

Evangelische Schulen, Inklusion, Sachsen, Schulsozialarbeit, Weiterbildung
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