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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Bildungspolitik — Inklusion

„Wenn die Inklusion in die Jahre kommt“

15.12.2017

Ein Bericht aus Seelitz über Erfolge und Herausforderungen von Inklusion

„Nachdem wir vor drei Jahren intensiv in die Inklusion eingestiegen sind und unseren Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichsten Förderbedarfen öffneten, ist das Jahr 2017 geprägt von Verfestigung und Anpassung unserer Arbeit.

 

Der Einsatz der Inklusionsassistenten ist ein inzwischen nicht mehr wegzudenkender Gewinn des Schulvormittags geworden und wir wollen und können noch gar nicht daran denken, was passiert, wenn die fünfjährige Projekt- und Förderperiode endet. Wir haben in diesem Jahr auch deutlich zu spüren bekommen, dass unsere Arbeit zwar fundiert und geschätzt ist. Ob der gemeinsame Unterricht bei Zugrundelegung unterschiedlicher Lehrpläne in der Sekundarstufe fortgeführt werden kann, steht zurzeit noch in den Sternen.

 

In unseren Klassen gehört es zum Alltag, neben den Anforderungen der Grundschule auch abweichende Inhalte oder Anforderungen mit einzubeziehen, nämlich dann, wenn eine Schülerin oder ein Schüler von einer entsprechenden Förderschule diagnostiziert und ein Förderbedarf festgestellt wurde. So ist es möglich, sich unserem Ziel der Inklusion anzunähern und uns unserem Schulmotto gemäß einander anzunehmen, wie Christus uns angenommen hat.

 

Nun kommt unser Streben in die Jahre. Für die Inklusion in Seelitz stellt sich die Frage der Anschlussfähigkeit. Ernüchternde Realität ist es, dass sich in unserem Einzugsgebiet zurzeit noch keine weiterführenden Schulen finden, die Schülerinnen und Schüler lernzieldifferent beschulen wollen, also ihrem Unterricht unterschiedliche Lernziele/Lehrpläne zu Grunde legen.

 

Die Novellierung des sächsischen Schulgesetzes lässt hoffen. Es stärkt die Rechte der Eltern und lässt zumindest theoretisch den Gedanken der gemeinsamen Unterrichtung von Schülern mit und ohne Förderbedarf zu. Rein praktisch steht neben den vermeintlich gestärkten Rechten der Eltern der Vorbehalt des jeweiligen Schulleiters.

 

Das Sachsen ein Problem bei der Gewinnung von Neulehrern hat und seinen Bedarf nicht decken kann, ist kein Geheimnis. Lernzieldifferenter Unterricht ist allerdings nur durch zusätzliche personelle Unterstützung möglich. Unser Anliegen trugen wir zunächst der Referentin für freie Schulen und dem Referenten für Förderschulen in Chemnitz vor. Hier wurde sehr schnell deutlich, dass das neue Gesetz für die Schulen in Sachsen zwar beschlossen ist, seiner Einführung wohl noch bis in die 2020er Jahre harrt.

 

Diese eher frustrierende Erkenntnis veranlasste uns, Bildungspolitikerinnen des Landtages mit einzubeziehen. So besuchten uns im September Petra Zais, bildungspolitische Sprecherin der Grünen und im November Iris Firmenich von der Landtagsfraktion der CDU. Doch auch hier scheint eine Unterstützung nur durch persönliche Kontakte der Politikerinnen zu funktionieren, bei ungewissem Ausgang. Eine Verbesserung der Situation durch die Schaffung von Kooperationsstrukturen und insbesondere verbesserter personeller Ausstattung der weiterführenden Schulen liegt in weiter Ferne.

 

Die Berufung auf den Lehrernotstand muss wohl weiterhin gebetsmühlenartig gegen beherzte Schulentwicklung in Sachsen herhalten. Ob dadurch Bildungschancen verbaut werden, wird in diesem Zusammenhang äußerst kontrovers diskutiert. Dass dadurch soziale Teilhabe und Subsidiarität beschnitten wird, steht jedoch außer Frage.“

 

Nico Eppert, stellv. Schulleiter der Evangelischen Grundschule im Rochlitzer Land

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