Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. OK
Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Kategorie — Studienfahrt Heiliges Land

7. Tag: Bethlehem

19.10.2015 Wiebke Nenoff

Aus dem orientalischen Trubel in die weihnachtliche Besinnlichkeit

Nein, dieser Text wird keine Rückschau, keine Zusammenfassung und schon gar keine Wertung. Das Ende unserer Reise ist genauso voller überwältigender Erlebnisse, wie die anderen Tage, aber auch genauso offen und voller unbeantworteter Fragen. So bleibt mir auch heute nur, von Eindrücken zu berichten und davon, dass diese Reise nach einer Fortsetzung ruft, um zum einen das Heilige dieses Landes noch viel besser, noch viel tiefgründiger kennenzulernen und somit den Ursprüngen unseres Christseins noch intensiver nachspüren zu können, zum anderen aber auch, um noch mehr Menschen auf beiden Seiten der Mauer zu treffen, ihr Handeln zu verstehen und im eigenen Land ein Bewusstsein für die Vielschichtigkeit des Konfliktes zu schaffen. Es ist wichtig, andere Kulturen so hautnah zu erleben, wie wir das konnten, um sich gegenseitig in seiner Verschiedenartigkeit akzeptieren und schätzen zu lernen, wenn es irgendwann Frieden geben soll, und das beginnt vielleicht schon im Kleinen, mit der Reise nach Jerusalem, Bethlehem, Jericho…

Geburtsgrotte

Am Vormittag besuchten wir heute die Geburtskirche in Bethlehem. Ähnlich wie bei der Grabeskirche in Jerusalem sind auch hier unübersehbar mehrere christliche Konfessionen am Gebäude beteiligt, die sich über die Jahrhunderte nie so recht über die jeweiligen Rechte und Pflichten einigen konnten. Von außen ein wuchtiger Bau aus byzantinischer Zeit, wirkt sie von innen zunächst wie eine riesige Baustelle, und angesichts der zahlreichen Gerüste fiel es uns nicht so ganz leicht, während der einstündigen Wartezeit das Schweigegebot zu beachten. Überhaupt macht es Mühe, zwischen aneinandergepressten Reisegruppen aus aller Herren Länder, die sich durch das Seitenschiff und dann zu der Höhle quälen, an der die Geburt Jesu stattgefunden haben soll, eine ehrfürchtige und bewegte Stimmung aufkommen zu lassen; zu befremdlich wirkt auf uns das Gebaren mancher Pilger. Für einen Moment ist diese Stimmung dann aber doch aufgeblitzt, als in einem leeren kleinen Seitenbereich neben dem Taufstern und der Krippe Pfarrer Frank Meinel den ersten Teil der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium las und wir gemeinsam „Es ist ein Ros entsprungen“ sangen.

Basar

Das Gewimmel in der Kirche war jedoch nur ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns dann auf dem Basar erwarten sollte. Auf den Hauptstraßen ging es noch recht beschaulich zu, begibt man sich jedoch in eine der Seitenstraßen, landet man mitten in der arabischen aufgeregten Gelassenheit. Gewürz-, Obst- und Schuhhändler übertönen sich gegenseitig mit ihren Angeboten, um Sekunden später wieder in aller Seelenruhe mit dem Nachbarn die neuesten Nachrichten auszutauschen. Ganz abenteuerlich wird es, wenn sich plötzlich ein Auto durch die engen und links und rechts mit Ständen gesäumten Straßen kämpft. Plötzlich muss ein Stand, der mitten auf der Fahrbahn steht, beiseite geräumt werden. Weil der Fahrer nicht zu finden ist, wird gewartet und gehupt, und hinter dem Auto beginnt sich eine Menschenmenge zu stauen, wie bei einer Demo. Ist der Stand verschwunden, stellt sich heraus, dass die Straße eigentlich zu eng ist, und je fünf Menschen vor, neben und hinter dem Auto geben lautstark und doch in aller Seelenruhe kluge Tipps, wie der Fahrer sich weiter zu bewegen hat. An jeder Straßenecke betört ein anderer Geruch nach frischem Gemüse, arabischem Kaffee mit Kardamom und Falafel die ungeschulten Sinne der Besucher – schade, dass wir den mit unseren Kameras nicht einfangen konnten. Nicht einmal der lautstark rufende Muezzin konnte dem geschäftigen Treiben auch nur die kleinste Pause bereiten.

Gottesdienst

Als eines der schönsten Erlebnisse unserer Tour wird uns der Abendmahlsgottesdienst auf den Hirtenfeldern von Bet Sahour in Erinnerung bleiben.  Pfarrer Meinel feierte ihn mit uns in einer nur überdachten, offenen Kirche am Rand des weitläufigen Geländes mit einem schlichten Altar und spärlichen Bänken, dafür freiem Blick über die Landschaft und offenem Ohr für das vielsprachige Stimmengewirr um uns herum – zumindest bis der Gottesdienst begann. Wir hörten den zweiten Teil der Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium und hatten während der Predigt die Gelegenheit, die letzten Tage und das, was uns hier alle immer wieder bewegt, an uns vorüber ziehen zu lassen. Wir sind dankbar, dass wir während der ganzen Reise trotz der angespannten Situation im Land wohl immer unter Gottes Schutz gestanden haben müssen – wirklich brenzlig war es für uns nie. Und wir sind der Schulstiftung und besonders Frank Meinel dankbar, dass sie uns diese Erlebnisse ermöglichten.

 

Birgit Hofmann/Frank Meinel, Fotos: Ulrich Hofmann

Autor(en) des Artikels

Tags

Evangelisches Profil