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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Schulhof — Bericht

„Eins, zwei, drei…“

16.09.2016 Wiebke Nenoff

Buntes Treiben: die Schüler kommen von der Hofpause, einige wollen noch schnell zur Toilette andere suchen ihre neuen Federmappen und Hefter heraus und warten auf den Unterrichtsbeginn. Als alle da sind, beginnt die Stunde mit einem kleinen Begrüßungslied, das jeden Anwesenden willkommen heißt.

Seit Anfang September gibt es die Vorbereitungsklasse in der Grundschule des Evangelischen Schulzentrums Leipzig. 11 Schüler und Schülerinnen lernen hier schon zusammen, 16 sollen es bis Mitte Oktober werden, dann ist die neue „Deutschlernklasse“, wie sie von den Mitschülern genannt  wird, vollständig. Die neuen Schüler sind zwischen 6 und 10 Jahre alt und kommen aus Afghanistan, Syrien, Armenien, Tschetschenien und dem Irak. Sie sprechen Kurdisch, Russisch, Arabisch und Farsi – nur Deutsch können sie noch nicht oder noch zu wenig, um richtig am regulären Unterricht teilzunehmen.

 

Drei Stunden haben die Schüler am Tag in ihrer „Deutschlernklasse“. Zwei Stunden Sprachunterricht bei der DaZ-Lehrerin Frau Niesen. Jetzt, in der dritten Stunde bei Frau Bauerhin, stehen Zahlen und Mengenlehre auf dem Programm. Im Anschluss an das Begrüßungslied setzten sich Hadiya, Pella, Mobina und Leen an eine extra Tischgruppe. Sie sind schon sicher im Umgang mit den Zahlen und bekommen gesonderte Aufgaben. Die anderen beginnen mit Nüssen und Kastanien zu üben: „Eins, zwei, drei, vier Kastanien“. Die Zahlen werden gesprochen, geklatscht und gehüpft. Einige sind noch zurückhaltend und unsicher beim Zählen. Andere sind ganz eifrig bei der Sache und präsentieren stolz, was sie in den letzten Tagen schon alles gelernt haben. Mitunter wird es im Eifer des Gefechtes wuselig.

 

„In den ersten Tagen waren alle noch sehr still“ berichtet Frau Bauerhin. „Jetzt tauen sie auf. Manche sind auch sehr lebendig und probieren aus, was erlaubt ist und was nicht. Da sind sie wie alle anderen Kinder auch. Damit alle etwas lernen können, ist es hier wichtig eine klare Struktur und feste Regeln in den Unterricht zur bringen.“ Die Anweisungen der Lehrerin sind stets klar und mit eindeutigen Handzeichen verbunden, damit alle verstehen, was gerade die Aufgabe ist. Dabei sind die Spanne zwischen den verschiedenen Sprachniveaus und die altersbedingt unterschiedlichen Entwicklungsstände in der Klasse eine Herausforderung, welche die Lehrerin mit bewundernswerter Souveränität meistert.

 

Nach zwei weiteren Übungen ist die Stunde schon wieder vorbei. Es werden die Hausaufgaben erklärt, die Schüler verabschieden sich und gehen munter in den Hort. Hier können sie im gemeinsamen Spiel mit den anderen Schülern spielerisch ihre Deutschkenntnisse erweitern. „Im Grunde genommen ist die eine Stunde Mathe am Tag zu wenig, um wirklich in die Tiefe zu gehen“ bedauert Frau Bauerhin „aber leider sind nur drei Unterrichtstunden für DaZ-Klassen im Grundschulbereich vorgesehen“. Frau Bauerhin, die schon in Kairo als Deutschlehrerin gearbeitet hat, sieht in der neuen Vorbereitungsklasse eine besondere Aufgabe für sich und auch für das Evangelische Schulzentrum, das mit der neuen Klasse den zugewanderten, oftmals geflüchteten Kindern ein gutes Ankommen ermöglichen möchte.

 

Auch Frau Ulrich, die Schulleiterin ist froh über das neue Miteinander an Ihrer Schule: „Unser Schulleben ist bunter geworden.“ Nicht nur in der neuen DaZ-Klasse auch der weiterführenden Schule wurden zu Beginn des neuen Schuljahres Schüler in die Klassen aufgenommen, die inzwischen in der dritten Phase des Deutschlernens sind und neben den regulären Stunden noch zusätzlichen Sprachunterricht erhalten. „Auch wenn es verschiedene Herausforderungen mit sich bringt, sprachliche Barrieren zu überwinden sind und für manche Kollegen eine Mehrbelastung bedeutet – es ist doch eine große Chance für uns alle. Wir, alle unsere Schüler und die Kollegen, können von diesem Austausch lernen und profitieren. Das ist wunderbar.“

 

Wiebke Nenoff

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Tags

Evangelisches Schulzentrum Leipzig, Leben, Lernen, miteinander, Verantwortung