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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Allgemein

Gedanken zur Inklusion

03.05.2020 Brit Reimann-Bernhardt

Damit Menschen mit Handicap in der Corona-Zeit nicht vergessen werden

„Die Annäherung an das Leitbild einer inklusiven Schule“ ist ein Leitsatz aus dem Orientierungsrahmen der Evangelischen Schulen in Sachsen. Dort heißt es auch, dass es Schule allen Kindern und Jugendlichen ermöglicht, sich in heterogenen Lerngruppen bestmöglich zu entfalten und am Schulleben teilhaben zu können. Wie aber ergeht es Menschen mit Handicap in der Corona-Zeit beim „Lernen auf die Ferne“ und „Homeschooling“ bzw. wie steht es mit ihrer Teilhabe? Verlässliche Daten und Eindrücke werden wohl erst später verfügbar sein. So kann dieser Beitrag keine klaren und allgemeingültigen Antworten geben, doch er kann den Fokus auf mögliche Einflüsse richten – und verhindern, dass Inklusion zum blinden Fleck der aktuellen Krise wird…

 

Es gibt Kinder und Jugendliche, die sehr gut mit der jetzigen Situation zurechtkommen. So meinte ein Mädchen aus einer achten Klasse: „Endlich kann ich mal zu den Zeiten und in dem Tempo, das mir liegt, meine Aufgaben erledigen.“ Ein Junge aus der Grundschule freut sich, dass er endlich eigene Projekte verfolgen kann und nicht immer „einfach nur rumsitzen und abarbeiten“ muss. Lehrer*innen berichten von einem großen Aufwand, um möglichst allen gerecht zu werden. Clouds brechen zusammen, Maileingänge laufen über. Trotz Videokonferenzen und aller anderen mühevollen Versuche sehen wir uns alle gelegentlich sprachlos und überfordert.

 

Wer nicht teilhaben kann – lernend oder lehrend – wird vielleicht auch mal aus dem Blick verloren? Schließlich haben nicht alle jederzeit ein Endgerät allein zur Verfügung, in vielen größeren Familien überschneiden sich Nutzungszeiten und nicht jeder hat einen eigenen Laptop oder PC. Welche Schüler*innen profitieren also von dieser Art „Lernen auf Distanz“, welche kommen einfach irgendwie zurecht, wer kann nur mit immensem innerem und äußerem Aufwand die Situationen bewältigen? Können Lernende mit Auffälligkeiten aus dem autistischen Spektrum so vielleicht viel besser lernen und leisten? Erlebe ich als Lehrer*in selber Teilhabe in dieser Zeit? Wie komme ich damit zurecht, dass E-Mails und Aufgaben ohne Resonanz bleiben? Welche Kinder erreiche ich wie?

Das sind die Fragen, die jeder Betroffene und gerade Lehrkräfte für sich im stillen Kämmerlein beantworten können, um auf dieser Basis das eigene Handeln zu reflektieren und gegebenenfalls mit kreativen Einfällen darauf zu reagieren. Für Schüler*innen ist das zweifelsohne viel komplizierter.

 

Viele von ihnen leben häufig in schwierigen familiären Situationen. Sie vermissen fehlende Beziehungen und Routinen der Schule und des Unterrichts. Aufgrund nicht vorhandener technischer Voraussetzungen sind sie digital gar nicht oder nur schwer erreichbar – teils selbst telefonisch nicht – oder verfügen nicht über digitale Kompetenzen. Der Schulausfall bedeutet in manchen Fällen eine psychische und soziale Überforderung der Familiensysteme mit weitreichenden negativen Folgen.

Manche Schüler*innen mit emotionalem und sozialem Unterstützungsbedarf brauchen insbesondere feste, verlässliche  Bezugspersonen. All das ist inklusive evangelische Schule, all dies ermöglichen und bedenken Sie in Ihren Schulen. Damit dies auch politisch Berücksichtigung findet und der Blick auf Kinder mit mehr Förder- und Unterstützungsbedarf sowie deren familiäres Umfeld gerichtet wird, gibt es u.a. einen offenen Brief der Arbeitsgemeinschaft der Leiterinnen und Leiter der Pädagogischen Institute und Katechetischen Ämter (ALPIKA). Auch die Landesarbeitsgemeinschaft Freie Schulen (LAGSF) vertritt die Interessen der Teilhabe freier Schulen und somit die jener Kinder und deren Familien.

 

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