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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Allgemein — Nachricht

Geduld

21.12.2015 Susan Lange

„Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.“ Jakobus 5, 7 – 8

 

Die Auseinandersetzung mit diesen Bibelversen war für mich im Zusammenhang mit der Erarbeitung einer Predigt in der Adventszeit notwendig und hat in mir als Schulleiter der FES Dresden den Wunsch geweckt, eine breitere Öffentlichkeit an diesen Gedanken teilhaben zu lassen.

Ich denke, wir Christen leben in einer mutigen Erwartung. Wir leben in der Erwartung, dass Gottes Zukunft schon im Anbruch ist. Das bedeutet, dass wir ihm etwas zutrauen dürfen. Gott verändert schon im Hier und Jetzt. Aber allein, um das wahrzunehmen, brauchen wir den Mut zur Geduld und Langmut mitten im Drängen unserer Zeit.

Und das ist etwas vollkommen anderes, als die Dinge einfach so hinzunehmen, weil wir sie ja doch nicht ändern können. Nein, die Geduld der adventlichen Gemeinde ist geprägt von tiefer Gelassenheit und zugleich leidenschaftlicher Erwartung. Geduld, Langmut, Ausdauer und Leidenschaft werden wir auch brauchen im Blick auf die gesellschaftlichen Veränderungen vor denen wir in unserem Land stehen. Ich erlebe mit Bedauern, dass die Diskussionen im öffentlichen, wie im privaten Bereich nicht immer konstruktiv geführt werden. Da fallen mir Synonyme zu Geduld und Langmut ein, die wir hier besonders brauchen werden: Gelassenheit, Friedfertigkeit, Sanftmut. Die werden nicht vom Himmel fallen, sondern wir werden jeden Tag neu darum ringen und beten müssen. Und es wird trotzdem nicht ausreichen, wenn nicht Gott auch seinen Frieden dazu gibt.

Wir als Schulgemeinschaft sind davon nicht nur betroffen, sondern wir sind gefordert. Ich wünsche mir, dass der Friede Gottes durch uns hindurch wirksam werden kann, dass wir ihn leben, ihn ausstrahlen in unseren Diskussionen und im Ringen um die Sache und auch bei der Suche nach Antworten auf die Fragen die auf der Tagesordnung stehen. Noch nie in meinem Leben hatte ich so stark das Gefühl, dass wir ihn dringend brauchen, diesen Frieden des lebendigen Gottes. Der Wunsch nach ihm ist mehr als nur eine Worthülse.

Der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, wird unsere Herzen und Sinne bewahren, wenn wir um ihn bitten, wenn wir uns auf ihn einlassen, wenn wir dieses Geschenk Gottes annehmen. Das hat nach meiner Erinnerung schon einmal grandios funktioniert: Im Herbst 1989.

Noch eine andere Bedeutung bekommt die Rede vom Frieden Gottes im Blick auf die Ereignisse in Paris und anderswo auf der Welt, wo Gewalt und Terror die Menschen in Angst und Schrecken versetzen. Das lässt uns ratlos zurück. Ich glaube, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als diesem Wahnsinn mit dem Frieden unseres Gottes zu begegnen. Wir brauchen freilich Gelassenheit und Vertrauen in die Organe unseres Staates, dass diese alles Menschen mögliche tun, um solchen Schaden abzuwenden. Wir wissen aber auch, dass dies in Paris der Fall war und dennoch so Schreckliches passieren konnte. Also werden wir in vollkommener Weise auf unseren Mut und unsere Fähigkeit zur Gelassenheit zurückgeworfen. Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.

Ich wünsche mir sehr, dass von der adventlichen Gemeinde stärkere Impulse auf das Zusammenleben in diesem Land ausgehen. In vielerlei Hinsicht. Und zwar nicht durch Aktionismus, öffentliche Verlautbarungen und Kommentierung der Tagespolitik, sondern durch Geduld, Leidenschaft und Beharrlichkeit im Gebet, durch Glaubwürdigkeit ihrer Vertreter und den Mut zum christlichen Bekenntnis in den ganz alltäglichen Vollzügen unseres Lebens. Wir haben etwas weiterzutragen, etwas zu bezeugen und auch zu bewahren: Das Festhalten an der Zusage des lebendigen Gottes, der uns im Kind von Bethlehem seinen Frieden schenken will.

 

„Seid auch ihr geduldig und stärkt eure Herzen; denn das Kommen des Herrn ist nahe.“

 

Gott selbst kommt uns in Geduld entgegen.

Ich wünsche Ihnen allen ein friedliches und gesegnetes Weihnachtsfest.

Bleiben Sie behütet!

Thomas Kunz, Schulleiter der Freien Evangelischen Schule Dresden

 

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Advent, Die Evangelischen Schulen in Sachsen, Glauben, Leben, miteinander