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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Allgemein

Lehrkräfte wachsen in Corona-Zeit über sich hinaus

01.04.2020 Patrick Franz

Annaberger Mathe-Lehrer verrät: „Man lernt jedes Mal noch dazu“

 Bild: Neuer Arbeitsplatz für Lehrer Markus Schubert, von zuhause unterricht er seine Klassen in Mathe und Informatik.

Bereits zwei Wochen Unterricht zuhause in Sachsen – die Corona-Pandemie hat Lehrkräften, Schüler*innen und Eltern neue Erfahrungen beschert. In Windeseile sind neue Digitalisierungsplattformen aus dem Boden geschossen, andere waren bereits verfügbar und werden aber erst jetzt voll ausgenutzt. Die Schulstiftung schaut in einer dreiteiligen Serie auf die alltäglichen Auswirkungen für alle Beteiligten und die Chancen, die daraus erwachsen…

 

Micha Schubert unterrichtet Mathe und Informatik bei der Evangelischen Schulgemeinschaft Erzgebirge, erzählt von den Veränderungen: „Man muss sich halt wirklich erst einmal in diese neuen Programme hineinfitzen. Mir als Informatiklehrer fällt das noch etwas leichter als anderen Kollegen, die sich plötzlich in Systemen befinden, in denen sich die Schüler teilweise besser auskennen als die Lehrkraft selbst.“ Er berichtet also allein von organisatorischen Schwierigkeiten bei der Hardware, denn nicht jede/r Lehrer*in hat eine Webcam oder Mikros einfach verfügbar und nur mit dem Smartphone sind die neuen Handwerkszeuge noch weniger zu überschauen. Herr Schubert nutzt unter anderem das neue Webkonferenz-Tool der Schulstiftung. Das heißt: Mit der sogenannten „BigBlueButton“-Software hält er gewöhnliche Schulstunden über Videokonferenzen, er filmt sich beim Erstellen von Tafelbildern ab und zeigt Arbeitsblätter. Dabei betont der Lehrer: „Der Unterricht muss mindestens genauso intensiv geplant und strukturiert werden. Gruppenarbeiten sind bei Webkonferenzen nicht möglich, man muss wieder mehr auf Frontalunterricht setzen. Dazu kann man schlecht überblicken, was der Einzelne gerade macht. Eine Kontrollmöglichkeit, um den Arbeitsstand einzusehen, ist weg.“

 

Mittlerweile hat er 15 andernfalls ausgefallene Unterrichtsstunden auf diese Weise zurückgewonnen. Der Aufwand, um die Abläufe kennenzulernen, war allerdings um Einiges größer. Rund zwei Stunden hat er sich mit dem Programm vorab beschäftigt. Die Organisation der Abgaben von Schüler*innen-Übungsaufgaben in eine cloudbasierte Dateiablage nimmt ebenfalls Zeit in Anspruch. „Ich denke, es hat klappt jetzt ganz gut. Ich lerne aber auch jedes Mal noch dazu“, grinst Schubert. „Man braucht anfangs den Mut, sich darauf einzulassen und sich die neuen Herausforderungen zuzutrauen. Dann merkt man, dass es den Unterricht total aufwertet. Daher ist es sehr empfehlenswert – gerade wenn man Hauptfächer unterrichtet, bei denen man sich den vierwöchigen Ausfall von Stoff gar nicht leisten kann.“

 

An seinem Beispiel werden die enorme Kraftanstrengung der Lehrkräfte und ihre besondere Leistung in der durch das Coronavirus bedingten Zwangspause deutlich. In der Süddeutschen Zeitung hatte es ein Schulleiter aus dem niederbayrischen Eggenfelden schon auf den Punkt gebracht: „Ich glaube, dass die Eltern die Arbeit der Lehrer wieder mehr schätzen. Es ist nicht so einfach, Kinder in der Pubertät zum Arbeiten zu bewegen“, meinte der dort zitierte Markus Enghofer.

 

Unser Annaberger Micha Schubert weiß selbst aus Elternperspektive, wie es gerade daheim zugeht: „Während der Vorbereitung und Durchführung des Unterrichts mit diesen tollen Möglichkeiten, die sich uns hier bieten, kommt eben immer mal eins der Kinder und hat ein Anliegen, das ist schon manchmal abenteuerlich. Ich denke, dass viele Eltern ebenfalls solche Erfahrungen machen und darüber hinaus ihre Kinder zum Lernen motivieren müssen. Wir werden sicher alle Dankbar sein, wenn die Kinder wieder ihre geregelten Abläufe haben.“

 

In der zweiten Folge der Serie beschäftigen wir uns damit, wie es Eltern zuhause ergeht, die plötzlich im Homeoffice noch Lehrer*in sein müssen. 

 

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