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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Kategorie — Studienfahrt Heiliges Land

6. Tag: St. Georg und Jericho

17.10.2015 Wiebke Nenoff

Zehntausend Jahre in die Vergangenheit und wieder zurück

Unsere Reise führte uns heute zuerst ins Kloster St. Georg im Wadi Quelt. „Wie ein Vogelnest klebt das Kloster an den Felswänden der Judäischen Berge“, steht in meinem Reiseführer – und besser kann man den Anblick kaum beschreiben, der sich bietet, wenn man sich vom Busparkplatz aus dem Kloster nähert. Bereits im 5. Jahrhundert hatten sich syrische Mönche in dieser unwirtlichen Gegend angesiedelt. Im Sommer ist das Flussbett völlig ausgetrocknet. Betrachtet man die Felsen genauer, beginnt man die Mönche zu verstehen. Zahlreiche Höhlen boten ihnen Schutz, viele von ihnen sind so geräumig, dass sie als Zelle für einen dieser Mönche dienen konnten und zum Teil bis heute dienen. Der Bewohner erreicht sie oft nur durch eine Strickleiter – gestört werden konnte man hier kaum. Das Kloster in seiner heutigen Form, in dem einige wenige Räume besichtigt werden können, besteht seit Ende des 19. Jahrhunderts. Seinen Namen hat es vom Heiligen Georg, dessen Körper man ein Jahr nach seinem Tod exhumierte und ihn als unverwest vorfand. Bis heute kann man ihn in einer der Kapellen bestaunen. Die Einsiedler in den ausgebauten Felsenhöhlen werden noch immer vom Kloster aus versorgt. Sie halten unter anderem den Wanderweg instand, der uns von St. Georg aus bis nach Jericho führte.

Wüste

Wir liefen am Wadi entlang durch die Wüste, über loses Gestein, immer dicht am Abhang mit einem „Notesel“ im Schlepptau, falls jemand nicht mehr laufen kann, unter sengender Hitze von weit über 30 °C. Hin und wieder milderte ein lauer Wind die Hitze ein wenig, der aber auch immer feinen roten Wüstenstaub aufwirbelte und ihn uns ins Gesicht blies. In der Ruhe der Wanderung entdeckten wir die unwirtliche und trotzdem faszinierende Landschaft dieser Bergwüste. Irgendwo spazierte ein Esel allein auf steilen Pfaden. Höhlen waren zu sehen, und es fiel uns leicht uns vorzustellen, wie vor 3000 und mehr Jahren, als es hier ganz bestimmt nicht viel anders ausgesehen hat, Ausgestoßene, Verräter und Aufständische ein sicheres Versteck gefunden haben. Langsam verstummten die Gespräche, und es fiel nicht mehr schwer, die Einsiedler zu verstehen, die hier bis heute im Einklang mit sich und der Natur ihr karges und zufriedenes Dasein fristen. Irgendwann waren wir im Tal angekommen, fast 400 Meter unter dem Meeresspiegel, am Rand der wohl ältesten, aber auch tiefstgelegenen Stadt der Welt.

Wüste2

Von Jericho bekamen wir nicht viel zu sehen. Eigentlich nur ein Restaurant, das man nur durch einen überdimensionalen Souvenirshop verlassen konnte und das irgendwie das Klischeebild einer Oase vermittelte. Per Seilbahn ging es hinauf auf den Berg der Versuchung, wo heute das Quarantalkloster steht. Besonders interessant wurde es wieder, als wir zum Abschluss noch die Ausgrabungsstätte Tel El Sultan besuchten. Dass Jericho rund 10.000 Jahre alt ist, wussten einige von uns bereits, aber dass das noch in die tiefste Steinzeit fällt, war zumindest mir so nicht bewusst, bis der Reiseleiter uns darauf aufmerksam machte, als er uns die ausgegrabenen Reste der Stadtmauer und den etwa 9000 Jahre alten Turm zeigte. Wenn man sich mit dem Rücken zur Oase stellt, die natürlich genauso aussieht wie jede andere palästinensische Stadt, kommt es einem wirklich so vor, als würden hier Menschen sitzen, die mit Steinen Steine behauen und die ersten Stadtmauern der Welt errichten; als würden ein paar tausend Jahre später Israeliten über den Jordan kommen und durch die Stadt ziehen. So unheimlich mir die Basare der Beduinen, an denen wir heute immer mal wieder vorbeikamen, auch waren – viel anders wird ein Basar in Jericho vor 2000 oder 3000 Jahren nicht ausgesehen haben, die Datteln und Granatäpfel schmecken immer noch genauso und von den Behausungen ist genug erhalten, um sich ein lebendiges Bild machen zu können. Die Geschichten der Bibel prägen das Leben von uns Christen. Hier in Jericho, zumindest an ausgewählten Punkten, und vor allem in den Judäischen Bergen wird sie lebendig.

 

Birgit Hofmann/Frank Meinel, Fotos: Ulrich Hofmann

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