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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Schulhof — Bericht

Viel Erreicht!

27.06.2017 Wiebke Nenoff

Die Arbeit mit geflüchteten Schülern an Evangelischen Schulzentrum Leipzig

 

Seit Beginn des letzten Schuljahres 2016/17 lernen geflüchtete Schüler am Evangelischen Schulzentrum Leipzig. Über die Arbeit in der DaZ-Klasse berichteten wir schon in einem Blogbeitrag im September 2016.

 

Neben den Grundschülern in der hauseigenen DaZ-Klasse hat die Schule in den weiterführenden Schulzweigen – der Oberschule und dem Gymnasium – geflüchtete Jugendliche aufgenommen. In den Klassenstufen 5 bis 10 wurden im letzten Schuljahr 11 Schüler zwischen 11 und 18 Jahren aus Syrien, Libyen, Mali sowie Taiwan unterrichtet. Die Jugendlichen befinden sich in der DaZ-Phase III. Das heißt, sie haben die DaZ-Phasen I und II zum Teil an anderen Schulen schon absolviert, besuchen nun den normalen Unterricht in ihren Regelklassen und haben darüber hinaus Förderunterricht in Deutsch (als Zweitsprache). Über die Erfahrlungen mit den neuen Schüler habe ich mich mit Frau Fidelak unterhalten.

DaZ-Schüler mit Frau Fidelak

 

Frau Fidelak unterrichtet die DaZ-Stunden an den weiterführenden Schulzweigen. Sie ist Lehrerin für Englisch und Deutsch und hat in einem längeren Auslandsaufenthalt umfangreiche Erfahrungen im Unterricht von Deutsch als Fremdsprache. Aus dem Schulalltag kann sie viel Positives berichten: „Unsere Daz-Schüler haben das Schuljahr alle erfolgreich absolviert und werden alle in die nächste Klassenstufe versetzt. Unser Ziel ist es, dass alle geflüchteten Schüler an unserer Schule einen Schulabschluss erwerben und vorbereitet sind für eine berufliche Ausbildung.“

 

Das gemeinsame Lernen war für alle anfänglich organisatorische Herausforderung, der sich die meisten Lehrer und Mitschüler mit besonderem Engagement angenommen haben. Einige Schüler haben in verschiedenen Initiativen, zum Beispiel durch das Bilden kleiner Lerngruppen vor Klassenarbeiten, ihre geflüchteten Mitschüler unterstützt. „Anfänglich lief manches noch chaotisch, wir wussten nicht, welche Voraussetzung die Jugendlichen mitbringen und welche Förderung sie einzeln benötigen. Auch waren und sind wir nach wie vor mit Unsicherheiten und Vorbehalten einiger Kollegen angesichts der neuen Herausforderung konfrontiert.“ Vor allem hinsichtlich der Fachkenntnisse, dem Fachvokabular und dem Umgang mit verschiedenen Aufgabenstellungen in den höheren Klassen gab und gibt es zum Teil noch große Unterschiede zu den Altersgenossen. Dies wird in der Schule individuell vor allem durch Nachteilsausgleich, teilweise Aussetzung der Notengebung und zusätzlichen Förderunterricht in einzelnen Fächern kompensiert.

 

Die drei Jugendlichen aus den zehnten Klassen werden mit dem neuen Schuljahr die gymnasiale Oberstufe besuchen. „Viele unserer DaZ Schüler sind besonders ehrgeizig“ berichtet Frau Fidelak. „Sie wollen unbedingt einen Schulabschluss und studieren. Die Erwartungshaltungen sind teilweise sehr hoch, vor allem bei denjenigen, die einen Schulabschluss in ihrem Heimatland knapp verpasst haben.“ Dies liegt nicht zuletzt auch an den Elternhäusern der Geflüchteten, die mitunter große Hoffnungen in ihre Kinder setzten, aber auch einen hohen Erwartungsdruck aufbauen und kaum Vorstellung von den Anforderungen der hiesigen Lehrpläne haben. „Unsere DaZ-Schüler haben dahingehend viel, eigentlich Übermenschliches geleistet im letzten Schuljahr.“

 

Frau Fidelak ist dabei mehr als „nur“ die Lehrerin der DaZ-Klasse. Sie koordiniert den Förderunterricht, spricht mit einzelnen Kollegen, berät die Schüler hinsichtlich ihrer Schullaufbahn und führt Elterngespräche. Ein Stück übernimmt sie die Elternrolle ihrer Schützlinge, da deren Eltern selbst mit unserem Bildungssystem und seinen Anforderungen nicht vertraut sind. „Ein Schüler fehlte öfter im Unterricht. Im Elterngespräch kam heraus, dass er die Behörden- oder Arztgänge seiner Familie begleitet, weil er die besten Sprachkenntnisse hat. Ein Stück weit haben wir dafür auch Verständnis. Gleichzeitig haben wir deutlich gemacht, dass wir bei Fehlzeiten eine Entschuldigung oder Freistellung erwarten und zu häufiges Fehlen die ohnehin schon schwierige Situation verschärft. Dabei geht es natürlich auch um das Vermitteln unserer kulturellen Regeln. Das ist für uns alle ein Lernprozess.“

 

An kulturell-religiöse Grenzen stieß die Schule auch bei der Teilnahme an der Klassenfahrt dreier DaZ-Schüler. Diese fiel in den Ramadan und die Schüler wollten deshalb nicht teilnehmen. „Wir haben erklärt, dass die Klassenfahrt eine schulische Veranstaltung ist und konnten erreichen, dass die Schüler trotz der Fastenpflicht mitkommen.“ Auch bei religiösen Veranstaltungen der evangelischen Schule wie Gottesdienste und Andachten ist eine Anwesenheit verpflichtend. „Aber für die meisten Eltern ist dies kein Problem. Sie wissen, dass wir eine konfessionelle Schule sind und respektieren unsere Rituale.“

 

Ab dem neuen Schuljahr werden 21 Schüler in DaZ-Phase 3 an der weiterführenden Schule unterrichtet. „Im Grunde ist Bildung das Beste, was wir diesen Schülern mitgeben können und dieser Weg ist alternativlos, wenn man sie in unsere Gesellschaft integrieren möchte“, resümiert Frau Fidelak. „Für alle ist dieses Miteinander eine große Bereicherung. Die neuen Mitschüler lernen viel über uns und unser kulturelles und gesellschaftliches Miteinander und wir erhalten wertvolle Einblicke und Perspektiven.“

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Tags

Evangelisches Schulzentrum Leipzig, Lernen, miteinander