Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. OK
Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Bildungspolitik — Aktuelles

Warum sind wir weniger wert?

05.07.2019 Volker Schmidt

Helene und Maya schreiben einen Brief an den Sächsischen Landtag

Freie Schulen sind ein fester und wichtiger Bestandteil des sächsischen Bildungswesens. Das kommt nicht von ungefähr, denn die Sächsische Verfassung legt den öffentlichen Bildungsauftrag in die Hände von staatlichen und freien Schulen. Doch der sächsischen Landespolitik ist nicht jeder Schüler gleich viel wert. Schüler an freien Schulen haben aktuell nicht die gleichen Voraussetzungen für eine gute Bildung.

 

Deshalb wenden sich die beiden Schülerinnen der Freien Waldorfschule Dresden, Helene und Maya, in einem Brief an die Mitglieder des Sächsischen Landtages:

 

Liebe Abgeordnete des sächsischen Landtages,

wir sind Schülerinnen der 11. Klasse an der Freien Waldorfschule in Dresden. Seit unserem Schuleintritt erleben wir jeden Tag aufs Neue die besonderen Möglichkeiten, die uns die Waldorfschule bietet. Gedichtinterpretationen, lineare Algebra und die Glykolyse lernen wir genauso wie Schüler an staatlichen Schulen. Eine weitere wichtige Rolle spielt bei uns jedoch der künstlerische und handwerkliche Ausgleich zum theoretischen Fachunterricht. Egal ob Stricken, Schmieden, Ton formen, oder im Garten arbeiten – wir haben die Freiheit verschiedenste Dinge auszuprobieren, die uns später nützen. Auch der Zusammenhalt zwischen den Schülern ist hier ganz besonders eng. Seit der ersten Klasse lernen wir in ein und demselben Klassenverbund und gehen gemeinsam durch dick und dünn. Viele dieser wertvollen Erfahrungen nehmen wir mit in unser zukünftiges Leben. Warum ist Ihnen unsere Ausbildung nicht genauso viel wert wie die an einer staatlichen Schule? Nur weil wir unsere Lernziele mit alternativen Konzepten erreichen?

 

Durch diese alternativen Konzepte werden wir nicht ständig bewertet und lernen frei von Leistungsdruck. Unserer Meinung nach ist das ein riesengroßer Vorteil. Wir haben viele Freunde an staatlichen Schulen, die teilweise Probleme mit dem hohen Druck dort haben. Trotzdem werden wir von unseren Lehrern bestmöglich auf die staatlichen Schulabschlüsse vorbereitet. Generell ist das Verhältnis zu unseren Lehrern sehr gut. Sie begegnen uns immer auf Augenhöhe und haben für alles ein offenes Ohr. Obwohl sie eine hohe fachliche Kompetenz haben und pädagogisch wertvollen Unterricht geben, erhalten unsere Lehrer nicht den gleichen Lohn wie ihre Kollegen an staatlichen Schulen und können nicht verbeamtet werden. Wir finden das ungerechtfertigt. Warum werden unsere Lehrer benachteiligt? Nur weil sie an freien Schulen arbeiten?

 

Die Bildungsvielfalt in Sachsen sorgt dafür, dass viele verschiedene Meinungen und Fähigkeiten in die Gesellschaft einfließen. Wir finden, dass freie Schulen nicht schlechter gestellt werden dürfen als staatliche Schulen. Ja, wir lernen anders. Wir lernen aber auch wichtige Dinge und Werte, die wir weitergeben können und wollen.

 

Liebe Abgeordnete, unsere Lehrerinnen und Lehrer engagieren sich leidenschaftlich für unsere Bildung. Wir bitten Sie, sich genauso leidenschaftlich für das Wohl unserer Lehrer einzusetzen. Zeigen Sie uns, dass wir Ihnen gleich viel wert sind und beenden Sie die Ungleichbehandlung freier Schulen.

 

Helene und Maya

Freie Waldorfschule Dresden

 

 

Freie Schulen. Gleiche Schulen. Unter diesem Motto engagiert sich die Schulstiftung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände freier Schulträger in Sachsen (LAGSFS) für die gleichrangige Behandlung freier Schulen. Bitte unterstützen auch Sie uns und unterzeichnen die Petition. Wir fordern, dass freie Schulen die gleichen Zuschüsse und Fördermittel vom Freistaat erhalten wie staatliche Schulen. Zudem sollen Lehrkräfte an freien Schulen für ihre engagierte Arbeit auch eine gleichwertige Bezahlung erhalten. Freie und staatliche Schulen in Sachsen müssen durch die Landespolitik endlich gleichrangig behandelt werden.

Autor(en) des Artikels

Tags