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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Allgemein

„Wir brauchen einen langen Atem!“

08.04.2020 Patrick Franz

Gastbeitrag von schulleiter thomas kunz

 Bild: Thomas Kunz ist Schulleiter an der Freien Evangelischen Schule Dresden.

 

Liebe Schüler und Schülerinnen, liebe Eltern, geschätzte Kollegen und Kolleginnen der Evangelischen Schulen in Sachsen,

seit dem 18. März 2020 sind unsere Schulen, wie auch alle anderen in Sachsen, geschlossen. Knapp 4 Wochen ohne Unterricht im herkömmlichen Sinn liegen hinter uns.

Wir durften ganz neue Erfahrungen machen, auf die keiner von uns vorbereitet war.

Wer hätte zum Jahreswechsel gedacht, dass unsere Gesellschaft auf diese Weise so empfindlich getroffen werden kann. Innerhalb weniger Tage wechseln Prioritäten und von Tag zu Tag ändert sich die Lage im Detail.

Möglicherweise werden wir erst im Nachhinein so recht in der Lage sein einzuordnen, was uns da eigentlich widerfahren ist und welche Schlüsse wir daraus ziehen, als Gesellschaft und jeder einzelne für sich selbst.

Möglicherweise liegt noch eine lange Durststrecke vor uns. Wir wissen nicht, wann konkret die Schulen wieder öffnen werden und wie lange der Shutdown insgesamt aufrechterhalten wird. Und auch danach werden die Herausforderungen anhalten.

Ich finde es aber großartig zu beobachten, wie wir räumlich auseinanderrücken aber mental umso mehr zusammen.

Bitte seien Sie auch weiterhin barmherzig miteinander, wenn das eine oder andere einfach nicht so funktioniert, wie es sein soll. Dabei denke ich sowohl an die Versorgung unserer Schülerinnen und Schüler mit Aufgaben – da gab es sicher Unsicherheiten und Defizite bezüglich Umfang und auch Struktur – aber ich denke auch an das Zusammenleben in den Familien, die auf besondere Weise herausgefordert sind in diesen Tagen.

Wir haben die Zeit, Dinge zu entwickeln, es muss auch nicht alles vom ersten Tag an funktionieren. Wir brauchen einen langen Atem.

Das bedeutet, dass wir uns und unsere Kinder nicht unter Druck setzen. In den letzten Tagen war nun mal Schule nicht das Kerngeschäft. Natürlich sollen unsere Kinder weiter lernen können. Aber da sind ganz andere Formen gefragt und dabei ist das, was aus der Schule kommt lediglich ein Unterstützungsangebot, um den Tag sinnhaft zu gestalten und zu strukturieren.

„Die Erfüllung des Lehrplanes im verbleibenden Schuljahr steht nicht im Vordergrund.“ (aus dem Ministerbrief von Christian Piwarz)

Wir werden in den kommenden Wochen als Schulen weiter über methodische Fragen für die aktuelle Situation nachzudenken haben. Dabei spielen zunehmend digitalisierte Formen des Lernens eine Rolle. Das, was bei den Schülerinnen und Schülern zu Hause ankommt, muss auch Spaß machen. In diesem Zusammenhang kann eine Nachhaltigkeit entstehen, die sich ohne die Krise nicht so schnell vollzogen hätte und die auch in den Alltag nach der Wiedereröffnung hineinwirken kann.

 

Insgesamt aber braucht es ein hohes Maß an gegenseitiger Empathie. Lassen Sie uns das Ganze als Gemeinschaft der Evangelischen Schulen in Sachsen mit Gottes Hilfe meistern!

Ich wünsche mir, dass wir aus dieser Phase, wie lange sie auch immer andauern wird, gestärkt hervorgehen. Wir werden auch darüber hinaus sehr solidarisch miteinander umgehen müssen, weil die Folgen uns noch längere Zeit begleiten werden.

Über den Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Unterrichts in den Schulen wird noch entschieden. Warten wir ab!

Die Gesundheit steht in dieser Situation für mich nach wie vor über allem. Denken Sie dabei auch an sich und Ihre Familien. Die nach wie vor steigenden Infektionszahlen und die damit einhergehende und zunehmende Belastung unseres Gesundheitssystems, insbesondere der Krankenhäuser, ist besorgniserregend und bleibt zentrales Gebetsanliegen.

Es wird nicht ausbleiben, dass auch Familien aus unseren Schulgemeinschaften von Infektionen und kritischem Krankheitsverlauf betroffen sein werden. Wir sitzen da wirklich alle in einem Boot.

Mit großer Hochachtung erlebe ich, wie Menschen aus unseren Reihen sich Tag ein Tag aus dafür stark machen, dass die Schülerinnen und Schüler, Eltern und Kolleginnen und Kollegen, die das Miteinander in unseren Schulen vermissen, sich nicht allein gelassen fühlen müssen. Sie haben in kreativer Weise Wege gefunden, das Miteinander trotz räumlicher Trennung zu stärken. Das fängt beim Austausch über soziale Netzwerke und Mail an und reicht hin bis zu Videokonferenzen mit Teilen der Klasse, sowie aufmunternden gegenseitigen Anrufen. Machen Sie weiter so!

Ich danke der Schulstiftung unserer Landeskirche explizit für die Unterstützung in den letzten Wochen mit immer neuen Hinweisen, Tipps und Online-Fortbildungsangeboten, die uns sehr helfen, die momentane Situation zu meistern und effektiv zu gestalten.

Ich möchte allen Familien ganz herzlich danken, die in dieser Zeit, trotz zum Teil großer Belastungen, zusammenstehen und ihren Kindern das geben, was sie nun am meisten brauchen: Schutz, Geborgenheit, Liebe und Zuversicht.

Genau jetzt erleben wir, was das eigentlich bedeutet: Hauptfach Mensch

 

Nutzen wir den Charakter der Karwoche, um uns zu besinnen! Gerade jetzt erfahren wir hautnah, wir sehr das Leid zu menschlichem Leben dazu gehört und wie sehr Leid und Freude miteinander verwoben sind.

Tröstlich ist in jedem Fall der Ausblick auf den Ostermorgen, der für uns Christen in einzigartiger Weise den Sieg des Lebens über den Tod symbolisiert.

Diese Perspektive kann uns leiten.

Bleiben Sie behütet!

 

Thomas Kunz, Schulleiter der Freien Evangelischen Schule Dresden

 

 

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