Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. OK
Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Allgemein

Zwei Leuchttürme feiern Jubiläen

10.10.2019 Patrick Franz

Ev. Schulzentrum Muldental und Ev. Schulgemeinschaft Erzgebirge sind „Hoffnungsorte“ christlichen Zusammenlebens

Ihre (Erfolgs-)Geschichte ist ähnlich, auch wenn sie durch völlig unterschiedliche Menschen individuell ihren Weg gegangen sind. Zum Herbstbeginn 2019 feierten das Evangelische Schulzentrum Muldental und die Evangelische Schulgemeinschaft Erzgebirge jeweils ihr 20-jähriges Bestehen. Dazu gab es viel Lob und Bewunderung sowie eine Botschaft, die für alle christlichen Projekte Mut machen kann.

 

 

Muldental wagt seit 20 Jahren unverzichtbare Verantwortung

 

Die erste Party stieg am letzten Septemberwochenende in Großbardau, das gar nicht ganz der Ursprung des Muldentaler Schulzentrums ist. Begonnen hatte alles in Döben, bezeichnenderweise mit zwölf Schülern, einem Klassenraum, einem Sekretariat und einem Turnraum.

 

Dass es überhaupt losging, war eigentlich nur dadurch möglich, dass die Evangelische Schulstiftung Bayern 10.000 D-Mark Startkapital bereitstellte – an eine sächsische Schulstiftung war damals noch gar nicht zu denken. Genau dieser Erfolg evangelischer Schulinitiativen machte sie aber bald notwendig, weswegen ihr Vorstandsvorsitzender Volker Schmidt heute nur seinen Hut vor den Leistungen von Mitarbeitern, Lehrer, Eltern, Schülern und allen Unterstützern ziehen kann: „In der programmatischen Klarheit und daraus folgenden gelebten täglichen pädagogischen Arbeit ist das Evangelische Schulzentrum Muldental Vorbild für die evangelischen Schulen in Sachsen und stellt einen Leuchtturm über Sachsen hinaus dar.“

 

Die Stärke des Muldentaler Profils ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten dabei nie unwichtiger, sondern eher im Gegenteil noch unverzichtbarer geworden. „Vertrauen leben – Verantwortung wagen“, heißt es im Motto der Bildungsstätte. Schmidt erklärt: „Wie es gelebt wird, ist unübersehbar. Als Evangelische Schule fühlt sich das Schulzentrum Muldental besonders der Akzeptanz und Achtung gegenüber Minderheiten verpflichtet. Eine Schule, in der jeder Mensch akzeptiert wird und gleichberechtigt und selbstbestimmt teilhaben kann – unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Religionszugehörigkeit, Behinderungen oder sonstiger individueller Merkmale.“ So stand diese eben nicht selbstverständliche Voraussetzung als Basis für Gemeinschaft am Festwochenende im Vordergrund. Neben wissenschaftlichen Impulsvorträgen, gab es bunte Angebote für Kinder, eine große Party in der Mensa und natürlich auch einen Gottesdienst zum Schuljubiläum.

 

 

In Annaberg ist ein Senfkorn aufgegangen

 

Das zweite 20-Jahre-Jubiläum wurde in der ersten Oktoberwoche in Annaberg begangen. Mit 28 Schülern war das Evangelische Gymnasium Erzgebirge 1999 gestartet, heute sind es knapp 800 Jungen und Mädchen, die hier in einer Schulgemeinschaft von Oberschule und Gymnasium lernen. Man könnte auch reinmathematisch sagen, man hat sich mehr als ver-28-facht.

 

In seinem Grußwort erinnerte Schulstiftungsvorstand Martin Herold sowohl an die Anfänge, an den Aufbau des Oberschulzweigs mit Montessori-Pädagogik als auch an die Bedeutung der Bildungsstätte in der Gegenwart: „Ich erlebe die Schulgemeinschaft so ganz montessorianisch in ihrem Tun und im Verhalten gegenüber den anderen evangelischen Schulen in Sachsen. Die Schule ist ihren eigenen Weg gegangen und wird ihn sicherlich weiterhin gehen. Aber sie gibt auch Hilfestellung und nimmt auch selbst Hilfe an. Hoch reflektiert im eigenen Tun, schaut sie auch über den Tellerrand und bringt sich ein in die Entwicklung des evangelischen Schulwesens in Sachsen, ohne den anderen Schulen den jeweils eigenen, suchenden Weg abzusprechen.“

 

In Anlehnung an den Gründungsgottesdienst vor zwei Jahrzehnten orientierte sich Kuratoriumsvorsitzende Burkart Pilz wie damals am Senfkorn-Gleichnis. Er zitierte in seiner Predigt das Matthäusevangelium: „Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte; das ist das kleinste unter allen Samenkörnern; wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als alle Kräuter und wird ein Baum, dass die Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen Zweigen.“ Heute könne man nur staunen, was aus dem Senfkorn in Annaberg geworden ist. Statt einer Klasse gibt es heute ein dreizügiges Gymnasium mit einer einzügigen Oberschule, statt drei festangestellter Lehrer ganze 80 Mitarbeiter.

 

Man könnte also sagen: Das Senfkorn in Annaberg ist aufgegangen oder um es mit Worten des Oberlandeskirchenrats auszudrücken: „Dieses kleine Gleichnis Jesu leitet nicht nur zum Staunen und zum Dank – es ist auch ein Hoffnungsbild. Wenn man so will ist die Ev. Schulgemeinschaft Annaberg zu einem Senfkorn-Ort geworden. Zu einem Hoffnungsort. Hier kann man rückblickend sehen, was aus Gottvertrauen werden kann. Hier kann man sehen, was es heißen kann, immer und immer wieder die Hoffnung weit zu halten und nicht kleinmütig und ängstlich in Verdrießlichkeit zu versinken.“

 

Daraus erwächst für ihn die Weite der Botschaft, die für alle christlichen Vorhaben Bedeutung haben kann. „Wie oft schon hat man den evangelischen Schulen und unserer ganzen Kirche vorhergesagt – das wird alles nichts. Aber die Kirche lebt und ist fröhlich und die Schulgemeinschaft ist aufgewachsen und ebenso frohen Mutes.“

Autor(en) des Artikels

Tags