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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Schulhof — Demoktratie

„Ich beteilige mich, also bin ich“

05.10.2018

 

„Ich hätte nie gedacht, dass diese Übungen was mit Partizipation zu tun haben“, sagte eine Schülerin am Ende des Trainings. Den Projekttitel „Ich beteilige mich, also bin ich“ haben wir am 10. und 11. September 2018 in der Töpferstadt Kohren-Sahlis im Evangelischen Zentrum Ländlicher Raum hervorragend erleben können. Jeweils 4-5 Schüler/innen und zwei Lehrer/innen der Evangelischen Oberschule Großrückerswalde, des Evangelischen Kreuzgymnasiums, der Evangelischen Zinzendorfschulen Herrnhut und des Evangelischen Gymnasiums Tharandt waren im Reden und im Tun gemeinschaftlich unterwegs.

 

Diese zwei Tage bildeten den Auftakt für ein zweijähriges Projekt zu Demokratie und Partizipation an Evangelischen Schulen in Sachsen, das von der Evangelischen Schulstiftung in der EKD gefördert wird. In verschiedenen Modulen sollen bereits vorhandene Strukturen beschrieben, gemeinsam trainiert und das gelernte im schulischen Alltag angewendet werden. Durch gemeinsame Erlebnisse sollen demokratische Prozesse in der Gemeinschaft erlebbar gemacht werden. Dazu braucht es starke, selbstbewusste Lernende, die ihre Bedürfnisse wahrnehmen und angemessen artikulieren können.

 

Zur Stärkung des evangelischen Profils sollen Lernende eine Haltung entwickeln und diese in Verbindung bringen mit den Werten und täglichen Handeln. Dies betrifft sowohl das Verhältnis zwischen Lehrenden und Lernenden aber auch Lernende und Lehrende jeweils untereinander. Demokratie- und Werteerziehung gehört in den Schulalltag und ist Teil der Schulentwicklung. Gemeinsam mit den Schulen sollen bereits bestehende Strukturen zur Partizipation gestärkt, aber auch die Grundlagen für den Umgang mit Meinungsvielfalt, mit Konflikten und Fehlern zur Abwehr von Intoleranz und demokratiefeindlichem Gedankengut geschaffen werden.

 

Unter Anleitung und Begleitung von Maria Degkwitz – Sprach- und Ausdruckstraining – haben wir in vielen herausfordernden und genussvollen Übungen, manchmal in Schüler- und Lehrergruppen getrennt, oft gemeinsam, sowohl körperlichen als auch sprachlichen Ausdruck mit Gedichten und kleinen Texten geübt. Wir haben draußen und drinnen trainiert, jeder um „seinen eigenen Ausdruck“ bemüht. Dabei ging es darum, sich Autoritäten zu stellen, ihnen ein Gegenüber zu sein. Lehrer/innen haben zu ihrem Rollenverständnis gearbeitet, Definition von Partizipation und sich gefragt: was traue ich/mute ich meinen Schüler/innen zu? „Es war so toll. Man konnte alles sagen und ausprobieren, keiner musste sich schämen.“

Besonders wichtig war den Schülern, dass „Schüler mit Schülern gearbeitet und dies dann den Lehrern vorgestellt haben“.

 

In einer Abendveranstaltung haben wir bei Fackelschein den Ort näher kennengelernt. Auch da war es wunderbar zu erleben wie alle Teilnehmer/innen die Eigenart des jeweils anderen respektieren und angemessen mit der Vielfalt in der Gruppe umgehen.

Am Ende haben sich alle ganz konkret etwas in der Gemeinschaft für ihre Schule vorgenommen und für sich persönlich. Besonders freue ich mich als Projektleiterin über Äußerungen wie: „Ich habe jetzt mehr Mut und Vertrauen, mich in der Klasse einzubringen“, „Ich will mich mehr äußern“; „Ich weiß jetzt mehr über mein Selbstbewusstsein“.

 

Ein interessanter Einwurf, dem wir unbedingt nachgehen wollen, betraf das Thema der Freiwilligkeit von Partizipation. Gibt es ein Recht auf Nicht-Teilnahme?

Besonders ermutigend fand ich, dass wir nicht nur gesprochen, reflektiert, geplant und geschimpft haben. Sondern in einem sehr ungewöhnlichen Kontext, in einer sehr heterogenen Gruppe – Alter zwischen 13 und 50+, schul- und schulartübergreifend, Lehrer/innen und Schüler/innen, miteinander trainiert und uns eingelassen haben. Toll – mein Kompliment an alle Teilnehmer/innen und dank an Tobias Stankewitz für die Photos!

 

Dr. Brit Reimann-Bernhardt

 

Eröffnungsrede zum Projektbeginn

 

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