Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. OK
Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Bildungspolitik — Demoktratie

Stellungnahme zu Meldeplattformen

27.11.2018

 

Im Oktober wurden mehrere umstrittene Online-‚Meldeplattformen‘ gegen vermeintlich unbotmäßiges Verhalten von Lehrer/innen und Professor/innen freigeschaltet. In Sachsen erdachte die sächsische Landtagsfraktion der AfD ein „Lehrer-SOS“, das Verstöße von Lehrern gegen das politische Neutralitätsgebot aufnimmt.

 

Als Schulstiftung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens und mündige Bürger positionieren wir uns dazu.

 

Gemäß den Leitsätzen der Kampagne Hauptfach: Mensch ist Würde kein Konjunktiv und die wichtigsten Vorgaben für jede Schule sind die ihr anvertrauten Kinder. Dem Menschen, den Lehrer/innen sind die Kinder und Jugendlichen als hohes Gut anvertraut. Für diese tragen sie Verantwortung. Neben den Fähigkeiten, sich Wissen anzueignen, ist die Entwicklung von Verantwortungsbewusstsein ein wichtiges Ziel bei der Begleitung von Kindern und Jugendlichen. Verantwortungsbewusstsein bezieht sich dabei nicht nur auf die Menschen, die einem in der einen oder anderen Weise anvertraut sind, sondern auch auf die eigenen Handlungsweisen bei der Lösung der Probleme, die sich dem Menschen stellen. So versteht die evangelische Kirche Bildung als Zusammenhang von Lernen, Wissen, Können, Wertbewusstsein, Haltungen (Einstellungen) und Handlungsfähigkeit im Horizont sinnstiftender Deutungen des Lebens.“ (Denkschrift der EKD „Maße des Menschlichen“, 2003, S. 66)

Die Jugendlichen sollen nach Freiheit und Glück streben und so sich selbst verwirklichen.

 

Neben dem Wohl des Individuums sind aber auch der Schutz und die Erziehung zur freiheitlich demokratischen Grundordnung eine zentrale Aufgabe von Schule. Evangelische Schulen steht darüber hinaus in einer verpflichtenden und starken Tradition: Glaube und Bildung brauchen sich gegenseitig. Dieser Anspruch wird im Zuge der Umsetzung des evangelischen Profils gemäß dem Orientierungsrahmen der Evangelischen Schulen in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (S. 38) auch mit politischer Bildung und Demokratielernen als feste Bestandteile umgesetzt.

 

Diese politische Bildung ist durch den Beutelsbacher Konsens determiniert. Die vorgeschriebene politische Neutralität verweist auf das sogenannte Überwältigungsverbot: „Es ist nicht erlaubt, den Schüler – mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der ´Gewinnung eines selbständigen Urteils´ zu hindern“. Dies heißt aber auch, dass u. a. die Lehrkräfte eine hilfreiche und wichtige Unterstützung bei der Persönlichkeitsentfaltung und Meinungsbildung übernehmen und als Vorbilder agieren. Schülerinnen und Schüler sollen Verantwortung für ihre Mitmenschen, die demokratische Gesellschaft und die Zukunft übernehmen. Toleranz gegenüber anderen Meinungen ist dabei ein zentraler Wert.

 

So stellt es eine weitere Intention (S. 28) aus dem Orientierungsrahmen der Evangelischen Schulen in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens dar: Die Schulkultur ist von Wertschätzung unterschiedlicher Religionen und Lebensentwürfen geprägt. Ein zentraler Leitsatz ist dabei, dass die Lehrkräfte sich als Personen, insbesondere in der Vielfalt ihrer Glaubensüberzeugungen und Lebenserfahrungen in die Schulgemeinschaft einbringen. Als Schulstiftung sind wir davon überzeugt und stehen zu diesen Leitsätzen.

 

Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, mit Menschen in einen kritischen Diskurs zu Fragen der Gesellschaft, der Politik und des Lebens zu diskutieren und auch zu streiten. Persönliche und politische Meinungsäußerungen von Schüler*innen und Lehrer*innen auf Augenhöhe sind dafür unverzichtbar. Aus diesem gelebten Pluralismus erwachsen fundierte Haltungen, gestärkte Persönlichkeiten und mündige Bürger*innen.

 

 

Autor(en) des Artikels

Tags

Demokratie, Schulstiftung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens