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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Bildungspolitik — Aktuelles

Gleiche Arbeit verdient eine gleiche Bezahlung!

03.07.2019 Volker Schmidt

Flora Schleiermacher über ihr Referendariat an der Evangelischen Grundschule Grumbach

 

Freie Schulen. Gleiche Schulen. Unter diesem Motto engagiert sich die Schulstiftung der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände freier Schulträger in Sachsen (LAGSFS) für die gleichrangige Behandlung freier Schulen. Sie möchten dafür sorgen, dass freien Schulen beispielsweise aus der Verbeamtung von Lehrer*innen an staatlichen Schulen kein Nachteil entsteht. Insbesondere die an freien Schulen gut ausgebildeten Lehramtsanwärter*innen müssen auch in Zukunft an freien Schulen gehalten werden.

 

Dazu ein Wortbeitrag von Flora Schleiermacher, Referendarin an der Evangelischen Grundschule Grumbach:

 

 

Schule ist nicht nur Lernraum, sondern auch lebensraum

„Das Referendariat gilt unter angehenden Lehrer*innen als härteste Zeit der Ausbildung. Alles ist neu. Referendar*innen werden unmittelbar in der Lehre eingesetzt; sie erleben quasi den Sprung ins kalte Wasser. Sie stehen unter ständiger Beobachtung und sind einem enormen Leistungsdruck ausgesetzt. Im Gegensatz zu vielen anderen Lehramtsanwärter*innen werde ich mein Referendariat jedoch in guter Erinnerung behalten. Das hat vor allem damit zu tun, dass ich meinen Vorbereitungsdienst an der Evangelischen Grundschule in Grumbach absolvierte. Sie ist eine von über 400 sächsischen Schulen in freier Trägerschaft.

 

Freie Schulen sind im Gegensatz zu staatlichen Schulen selbst für die konzeptionelle Ausrichtung ihres Unterrichts verantwortlich. Das erleichtert es ihnen, alternative pädagogische Konzepte anzuwenden oder religiöse Prägungen in den Schulalltag einzubringen. Ich lernte die Grundschule schon lange vor meinem Studium während eines Praktikums kennen und war sofort fasziniert. Diese Art und Weise, wie die Lehrer*innen mit den Kindern umgegangen sind, kannte ich so aus meinem Schulleben nicht. Dieses Unterrichten auf Augenhöhe mit ganz viel Einfühlungsvermögen, diese demokratische Erziehung, diese im Schulalltag gelebte Freiheit – das war für mich sehr spannend und hat mich bis heute geprägt. Mein Lehramtsstudium habe ich dann auf alternative Lehrkonzepte ausgerichtet. Ich wollte lernen, wie Schule anders gestaltet werden kann und welche alternativen Wege es gibt, einen Schulalltag zu organisieren. Schule ist eben nicht nur Lernraum, sondern vor allem Lebensraum. Das erlebe ich jeden Tag in Grumbach.

 

Neben dem freien Konzept der Schule trägt auch das multiprofessionelle Kollegium dazu bei, die Last der Lehre auf vielen Schultern zu verteilen. So unterstützen Erzieher*innen die Schüler*innen während des Unterrichts. Die Schule beschäftigt zudem Personal, das sich vorrangig um Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf kümmert. Auch eine sogenannte „Springerin“ ist fest angestellt, um Lücken im Stundenplan zu füllen und Kollegen bei einem Ausfall zu vertreten. Wir arbeiten alle sehr eng zusammen, obwohl wir nicht alle ausgebildete Lehrer*innen, sondern auch Erzieher*innen und Sonderpädagog*innen, sind. Ich denke, dass ein solcher Personalschlüssel an staatlichen Schulen eher selten ist.

 

Ohne freie Schulen kann ich mir das sächsische Bildungssystem nicht vorstellen. Sie sind viel zu wichtig für die Vielfalt an Unterrichtsmethoden und die Freiheit weltanschaulicher sowie religiöser Prägungen. Freie Schulen stehen für den Mut, einfach mal ganz neue Sachen auszuprobieren und stets auf den Geist der Zeit zu reagieren. Ich finde es auch gut, dass es Schulen mit christlichem Profil gibt. Eltern können ihre Kinder bewusst an solche Schulen schicken, wo sie mit dem Glauben in Berührung kommen. Ich denke, ohne freie Schulen würden wir wirklich sehr viel verlieren.

 

Obwohl freie Schulen einen wesentlichen Beitrag zur Erfüllung des Bildungsauftrages leisten und von der Verfassung als gleichrangig eingestuft werden, erhalten sie von der Landespolitik nicht die gleiche Behandlung wie staatliche Schulen. Vor allem bei den staatlichen Zuschüssen, die für jede sächsische Schule eine unabdingbare Finanzierungsgrundlage darstellen, werden freie Schulen benachteiligt. Ich finde es daher sehr gut, dass freie Schulen mit einer Petition dagegen vorgehen. Es ist wichtig, dass alle Schulen gleichberechtigt behandelt werden. Meine Kolleg*innen leisten hier eine super Arbeit. Ich denke, es wäre angebracht, wenn der Staat das auch honorieren würde. Aus diesem Grund ist es wichtig, eine gleichberechtigte Finanzierung herzustellen.“

 

 

Bitte unterstützen auch Sie uns und unterzeichnen die Petition. Wir fordern u.a., dass Lehrkräfte an freien Schulen für ihre engagierte Arbeit auch eine gleichwertige Bezahlung erhalten. Zusätzlich sollte verbeamteten Lehrer*innen die Möglichkeit zum (temporären) Schulwechsel an freie Schulen eingeräumt werden. Es darf keiner Lehrerin ein Nachteil entstehen, wenn sie sich für die Tätigkeit an einer freien Schule entscheidet.

 

So auch nicht für Flora Schleiermacher. Sie wird nach den Sommerferien das erste Mal als fertig ausgebildete Lehrerin vor der Klasse stehen – und zwar weiterhin in der Evangelischen Schule in Grumbach.

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