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Die Evangelischen Schulen in Sachsen.

Allgemein — Studienfahrt Heiliges Land

4. Tag: Masada und das Tote Meer

15.10.2015 Wiebke Nenoff

„Beeilt euch, wir müssen noch relaxen“

 

Nach den anstrengenden letzten Tagen hatten sich alle sehr auf die Felsenfestung Masada und das anschließende Bad im Toten Meer gefreut. Schon die abenteuerliche Fahrt bergauf und bergab durch das Westjordanland und die Wüste Judäa wird uns in Erinnerung bleiben. Dass man sich einer der größten Festungsruinen nähert, bemerkt man bei der Anfahrt nicht. Man sieht zunächst nur den die Gegend überragenden Tafelberg am Westrand des Jordangebirges zwischen Totem Meer und Judäischer Wüste. Erbaut von Herodes dem Großen etwa zwischen 40 und 30 v.Chr., galt die Festung lange Zeit als uneinnehmbar. Die Überreste, die man heute am besten mit einer Seilbahn erreicht, gehören inzwischen zum Weltkulturerbe.

Masada 1

Während des ersten Aufstandes der Juden gegen die Römer zogen sich die Zeloten mit ihren Frauen und Kindern in die Festung zurück, nachdem die gesamte römische Garnison, die bis dahin hier ihren Sitz hatte, vernichtet worden war. Sie errichteten eine Synagoge, ersetzten die Wohlfühl- durch Reinigungsbäder, nutzten die Vorratslager und den Rest der Einrichtung – und vor allem die Uneinnehmbarkeit der Festung, von der aus sie den Widerstand gegen die Römer organisieren wollten. Ihre Tätigkeit blieb von den Römern natürlich nicht unentdeckt. Sie umstellten die Festung mit dem Ziel, die Bewohner auszuhungern und die uneinnehmbare Festung doch einzunehmen. Die Zeloten hatten keine Chance, und getreu ihrem Prinzip, in Freiheit zu leben oder zu sterben, töteten sie zuerst ihre Frauen und Kinder und anschließend sich selbst. Zum Glück hatten sich zwei Frauen und einige Kinder in einer Zisterne versteckt und konnten dem römischen Geschichtsschreiber Josephus Flavius von dem Geschehen berichten. Etwa 600 bis 1000 Menschen sollen diesem kollektiven Selbstmord zum Opfer gefallen sein.

Masada 2

Das Spannende an der Geschichte ist für uns aber die Sicht darauf. Für die Israelis ist, wie wir von Pfarrer Frank Meinel erfuhren, der Ort heute das Symbol des israelischen Freiheitswillens schlechthin. Lieber Sterben als in Unfreiheit und Knechtschaft leben. Einige Soldaten werden hier vereidigt, die Synagoge wird gern für Bar Mitzwas (vergleichbar der evangelischen Konfirmation) genutzt. Unser palästinensischer Reiseführer vermittelt jedoch eine ganz andere Sichtweise. Für ihn ist die Festung ein Symbol der Gewalt, die letztlich keine Lösung für den bestehenden Konflikt im Land darstellen wird. Ganz unabhängig von dieser politischen Bedeutung bietet Masada dem Besucher unglaubliche Baukunst und fantastische Ausblicke auf die Wüste.

Totes Meer 2

Gern hätten wir das Wassersystem, die vielen Bäder, die Lagerhallen und Taubenställe noch auf eigene Faust erkundet, trotz der Temperaturen um 40 Grad und sengender Sonne, vor der nur hin und wieder eine Mauer etwas Schatten bot. Aber die Zeit drängte: „Beeilt euch, wir müssen heute noch relaxen“, wiederholte Majed, unser Reiseleiter, unablässig. Das Heilbad am Toten Meer, das wir noch besuchen wollten, hatte nur bis 17 Uhr geöffnet. Nach den anstrengenden letzten Tagen tat es gut, im Wasser zu treiben, nicht zu laufen, nicht im Sekundentakt neue Eindrücke verarbeiten zu müssen. Morgen wird es diese wieder im Übermaß geben und wir werden Mühe haben, sie alle zu verarbeiten.

 

Birgit Hofmann/Frank Meinel; Fotos: Ulrich Hofmann

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